Anna Wahlgren:
DIE 5-MINUTEN-SCHREI-METHODE – NEIN DANKE! Nach dem Prinzip der 5-Minuten-Schrei-Methode, die ihre Wurzeln in den 1940er Jahren in den USA hat, soll sich das kleine Kind in den Schlaf schreien, während die Eltern alle fünf Minuten hereinschauen und das Kind darauf aufmerksam machen, dass sie da sind.
Die Methode schiebt die ganze Verantwortung auf das Kind selbst. Es muss sich selbst – mit seinem Können oder Nichtkönnen – beruhigen. Dies fordert von den Eltern starke Nerven, denn sie müssen sich über ihren Beschützerinstinkt hinwegsetzen, der sie von Natur aus dazu treibt, dem Kind zur Hilfe zu eilen.
Das Kind wird natürlich irgendwann einschlafen, da sein Schreien zu nichts anderem führt als Enttäuschung und Erschöpfung; man kann somit sagen, dass die 5-Minuten-Schrei-Methode funktioniert. Vorausgesetzt, die Eltern schaffen es, in ihrer Passivität der mehr oder weniger hysterischen Verzweiflung des Kindes gegenüber standhaft zu bleiben.
Die Schreimethode weist bedenkliche Mängel auf:
• Das unbeantwortete Schreien verursacht beim Kind unvermeidlich das Gefühl des Verlassenwordenseins. Für ein kleines Kind, das nicht auf eigene Faust überleben kann, ist dieses Gefühl gleichbedeutend mit Lebensgefahr.
• Der Schlaf, der auf Enttäuschung und körperliche sowie seelische Erschöpfung folgt, wird selten wirklich erholsam sein. Das gilt nicht nur für die kleinen Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.
• Die allermeisten Kinder, die mit der 5-Minuten-Schrei-Methode “geheilt” werden, schlafen viel zu wenig. Die Eltern versuchen, einen Erschöpfungszustand zu erriechen, bevor sie das Kind hinlegen. Verständlich genug, denn sie wollen stundenlanges Schreien vermeiden.
• Dieser Schlaf, den das Kind nicht selbst sucht und geniesst, weicht meistens der erstbesten kleinen Störung, z. B. dem Zahnen oder einer kleinen Erkältung. Das Ergebnis der 5-Minuten-Schrei-Methode ist deshalb selten zuverlässig und dauerhaft. Sie muss also immer wieder aufs Neue durchgeführt werden.
Mein Ziel ist es, dass meine DurchschlafKur, die ich über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren – in dieser Zeit führte ich persönlich die Kur mit 800 Schlafproblem belasteten Kindern durch - entwickelt habe, die 5-Minuten-Schrei-Methode / das Ferbern / Cry it out oder Controlled Crying Method, wie sie international genannt wird, ersetzen und in Vergessenheit geraten lassen wird.
Um den grossen Unterschied zwischen der Schreimethode und der DurchschlafKur zu begreifen, muss man die These des bösen Wolfes verstehen. Man muss versuchen, sich in die Ûberlebensangst des Kindes hineinzuversetzen, die man auch selbst vor langer Zeit durchleben musste.
Anders als bei der 5-Minuten-Schrei-Methode liegt die Verantwortung bei der DurchschlafKur bei den Eltern. Es sind die Erwachsenen, die dem Kind zur Ruhe verhelfen sollen. Sie sind es, die den bösen Wolf – und die Ûberlebensangst – in die Flucht schlagen und stattdessen Geborgenheit schenken sollen. Sie sind es, die das Ûberleben des Kindes garantieren sollen, und mehr noch dazu: ein gutes Leben, ein geborgenes Leben, mit gesundem Schlaf, friedlichem Schlaf, ausreichend viel Schlaf – einem wunderschönen Schlaf, auf den sich das Kind richtig freuen kann, weil es sich sicher und geborgen fühlt und sich nicht nur traut, ruhig und friedlich zu schlafen, sondern es auch will.
Die DurchschlafKur funktioniert bei allen Kindern mit Schlafproblemen, weil Kinder – wie alle Menschen aus Fleisch und Blut – ihren Nachtschlaf brauchen und ihn auch wollen.
Wir möchten alle ruhig und friedlich schlafen können. Kinder sind da keine Ausnahme.
IN BAUCHLAGE SCHLAFEN – JA BITTE! Vom ersten Lebenstag an empfehle ich die gute alte, immer wieder neu bewährte Bauchlage als beste Schlafposition für Säuglinge. Der Hintergrund ist nicht nur, dass ich es als viel einfacher und effektiver empfinde, ein Kind in Bauchlage zu beruhigen. Der Grund ist vor allem, dass die Bauchlage an sich schlaffördernd ist.
Es ist eine Tatsache, dass kleine Kinder, die von Anfang an auf dem Bauch schlafen dürfen, selten oder nie Schlafprobleme bekommen. Für das kleine Menschenkind ist es das Natürlichste der Welt, beim Schlafen eine Schutzhaltung einzunehmen – wie es alle ”Vierbeiner” tun, denn sie schlafen nun mal nicht gerne mit entblössten Weichteilen und den Beinchen in der Luft.
Schon ein frisch geborenes Kind kann den Kopf anheben, ihn von Seite zu Seite drehen und ungehindert Luft holen.
Auf dem Bauch liegend hat das Kind eine Bewegungsfreiheit, die in der Rückenlage fehlt.
Die Vorteile der Bauchlage sind offensichtlich:
• Der kleine Verdauungsapparat, der sich noch in der Entwicklung befindet, arbeitet in Bauchlage wesentlich ruhiger.
• Eventueller Schnupfen läuft hinaus.
• Späte Bäuerchen, Spucken, Erbrechen können keine Katastrophe verursachen.
• Das Erstickungsrisiko wird eliminiert, wenn das Kind in Bauchlage auf einer planen Unterlage liegt. Dort kann es selbst den Kopf heben und dem entkommen, was eventuell über seinen Kopf rutschen könnte.
• Ein Säugling in Bauchlage wird nicht vom ersten Tag an daran gehindert, die neurologisch lebenswichtigen Kriechübungen auszuüben, bei denen er nicht nur die Motorik, sondern auch alle fünf Sinne weiterentwickelt.
Es gibt, wie wir alle wissen, genügend Forschungsergebnisse, die beweisen, dass die Zahl der Fälle des plötzlichen Säuglingstodes erheblich zurückgegangen ist, seitdem alle Eltern dazu aufgefordert werden, ihre Kinder immer in Rückenlage schlafen zu lassen.
Das Problem mit der Rückenlagenempfehlung des WHO, die es erst seit 1992 gibt, ist, dass die allermeisten Säuglinge in Rückenlage einen unruhigeren, oberflächlicheren und kürzeren Schlaf haben, d.h. sie schlafen schlechter.
In Bauchlage schlafen sie tiefer, geborgener, schöner und länger.
Hinter dem oberflächlichen Schlaf liegt auch die (verschwiegene) Erklärung für den statistischen Rückgang: Kinder, die in Rückenlage schlafen, genießen selten oder nie den guten, lebensnotwendigen Tiefschlaf, den sie so sehr brauchen, vor allem um eine reibungslose Entwicklung des Gehirns zu gewährleisten. Diese Kinder leiden oft unter gesundheitsschädigendem Schlafmangel.
Die Schlafschwierigkeiten der kleinen Kinder und damit die Schlafprobleme ganzer Familien sind seit genau 1992 rasant eskaliert.
Die Schreckenspropaganda, die geführt wurde, und immer noch geführt wird, hat geltend machen wollen, dass die Bauchlage an sich gefährlich sei, während die Rückenlage sicher sein solle. Keine der beiden Behauptungen ist wahr.
Es sind die häufigen Atemaussetzer, die in Ausnahmefällen lebensbedrohlich sind – oder korrekter ausgedrückt: sein können.
Die Bauchlage an sich ist nicht gefährlich, sondern schlaffördernd. Die Rückenlage an sich ist nicht sicher, sondern schlaferschwerend.
Hier sollte man nicht übersehen, dass in der ganzen Welt kein einziger Fall des plötzlichen Säuglingstodes wissenschaftlich belegt worden ist, wo ein gesundes, ganz normales, gut entwickeltes Kind, das im Schlaf verschieden ist, von einem aktiven Atmungsüberwachungsgerät überwacht wurde.
Die Babys, die an SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) starben, und nach wie vor sterben, lagen in Rücken- bzw. Seitenlage – ohne Überwachungsgerät.
ATEMÜBERWACHUNGSGERÄT – JA BITTE! Die Atmung eines Neugeborenen ist unregelmäßig. Mehrmals am Tag machen neugeborene Kinder Atempausen, die bis zu 40 Sekunden dauern können – länger als die meisten Erwachsenen aushalten würden. Auch wenn es sehr selten vorkommt, kann es geschehen, dass kleine Kinder im Tiefschlaf ”vergessen”, dass sie weiteratmen müssen, nach einer solchen Atempause, die zu lang oder zu häufig auftrat.
Die Atmungstätigkeit funktioniert nicht von Geburt an automatisch.
Ein Atemüberwachungsgerät schlägt Alarm, wenn eine Atempause länger als 12 Sekunden andauert. Die fürsorgende Aufsichtsperson hat somit die Möglichkeit einzugreifen, bevor es zu spät ist, welches innerhalb von nur drei Minuten der Fall sein kann.
Das Gerät besteht aus einer Sensorplatte, die unter die Matratze gelegt wird und dem Kind nicht im geringsten stört, und für die verantwortungstrangende Aufsichtsperson wirkt es sehr beruhigend. Eine kleine Lampe blinkt sicherheitsspendend auf einem dazugehörigen Monitor, die irgendwo in Sichtweite aufgestellt wird, und die Aufsichtsperson muss sich nicht laufend Sorgen machen um die Atmung, die kein Mensch rund um die Uhr alle drei minuten überwachen kann.
Das Atemüberwachungsgerät kann diesen Dienst 24 Stunden am Tag erbringen, nach demselben Prinzip wie der Feuermelder, den wir hoffentlich alle im Haus installiert haben.
Der Feuermelder garantiert nicht, dass das Haus nicht Feuer fängt, genauso wenig garantiert das Atemüberwachungsgerät, dass das Kind nicht mit dem Atmen aufhört. Aber man bekommt rechtzeitig eine Warnung. Man kann die Katastrophe verhindern, die hätte eintreten können – und die unwiderruflich gewesen wäre.
Mit anderen Worten: Nichts zu verlieren. Aber viel zu gewinnen!
GLÜCKLICHES NEUGEBORENES JAHR 2010!
Anna Wahlgren
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