Leitfaden Diese Zeilen schreibe ich für die leidenden Eltern kleiner Kinder, die das Durchschlafen noch erlernen müssen - im Alter von fünf bis zwölf Monaten. Ich sende hiermit einen dicken Kuss an den kleinen Gustav, 8 Monate, und liebevolle Grüße von der kleinen Kassandra; sie wurde vor der "Durchschlaf-Kur" jede Nacht 20 - 30 Mal wach ... Ihr persönlicher Rekord lag bei 36 Mal! Nun schläft Kassandra vergnügt jede Nacht ihre 12 Stunden. Die mentale Vorbereitung Nachts wird geschlafen, verflixt noch mal! Jeder Schrei eines jeden Kindes ist eine Frage - und kein Ausdruck der Unzufriedenheit. Der "Fehler", den ihr gemacht habt, ist, dass ihr die Fragen falsch beantwortet habt. Und bedenke jetzt, dass das Kind, das nun das Durchschlafen erlernen soll, nicht bedauernswerter ist als du selbst, die/der deinen rechten Arm für eine ruhige Nacht hergeben würde... Entscheidet, wann die "Kur" anfangen soll. Bereitet euch auf 4 Nächte und 3 Tage konzentrierter Arbeit vor, um die Sache auf den richtigen Weg zu bringen. Nehmt eine Haltung der Selbstverständlichkeit ein. Nachts wird geschlafen. Nachts schlafen alle Menschen. Nachts ist überhaupt nichts los, außer dass alle wie die Murmeltiere schlafen. Und sollte man auch mal aufwachen, welches jeder Mensch jede Nacht mehrmals tut, schläft man einfach weiter. Schluss. Punkt. Aus! Die Planung Gustav braucht ca. 14,5 Stunden Schlaf pro Tag. Stellt ein Schema auf. Vielleicht möchtet ihr, dass er von 19 - 7 Uhr schlafen soll, dann bleiben noch 2,5 Stunden für den Mittagsschlaf + evt. Vormittags-/Nachmittagsnickerchen. Beachte, dass die besten Phasen des Schlafrhythmus - um ein Kind problemlos zu wecken - bei den folgenden Zeiten liegen: nach 5 Minuten (man kann bei akutem Bedarf immer ein Nickerchen von 5 Minuten erlauben - außerhalb des Schlafschemas), nach 20 Minuten, nach 45 Minuten, nach 1,5 Stunden und nach 2 Stunden. Ein 6 Monate alter Säugling braucht ca. 15 Stunden - ein 11 Monate altes Kind ca. 13,5 Stunden Schlaf pro Tag. Das Schema sollte 4 Mahlzeiten enthalten (bei denen soll das Kind sich jedes Mal proppensatt essen; füttere bzw. drängele das Kind zum Essen eine halbe Stunde lang - aber nicht länger!) und abends als Abschluss des Tages gibt es zusätzlich einen Gute-Nacht-Trunk in Form von Brustmilch oder Flasche, soviel wie das Kind überhaupt trinken kann. Gehe in etwa vom üblichen Tagesrhythmus des Kindes aus und notiere einen genauen Zeitplan, der nun mit Abweichungen von höchstens 15 Minuten in beiden Richtungen (mehr nicht; außer bei den kleinen Nickerchen, denn da musst du dir die Einschlafzeit merken, und das Kind nach genau 20 bzw. 45 Minuten wecken) eingehalten werden muss.
Der kleine Peter, 10 Monate, ein kleiner morgen-frischer Mensch, wird mit den folgenden Zeiten gut zu Recht kommen: 7.00 Uhr Frühstück 9.00-9.45 Uhr Nickerchen im Kinderwagen, auf dem Bauch liegend 10.30 Uhr Mittagessen 12.30-14.00 Mittagschlaf 14.00 Uhr Zwischenmahlzeit (reichlich) 17.30 Uhr Abendessen 18.00 Uhr Baden, Spaß, Gute-Nacht-Trunk 19.00 Uhr Nachtschlaf Dem kleinen Oliver, 7 Monate, einem abend-munteren Typ, gefällt der folgende Plan besser: 8.30 Uhr Frühstück 10.30-11.15 Uhr 45 Minuten Nickerchen 12.00 Uhr Mittagessen 13.30-15.00 Uhr Mittagschlaf 15.30 Uhr Zwischenmahlzeit (reichlich) 17.15-17.35 20 Minuten Nickerchen 19.00 Uhr Abendessen 19.30 Uhr Baden, Spaß, Gute-Nacht-Trunk 20.30 Uhr Nachtschlaf Beachte: Ein Bad jeden Abend wird bald mit dem Nachtschlaf verbunden und ist - und sollte es auch sein - ein richtiges Vergnügen; und es wird die Haut nicht austrocknen - bei einem kleinen Menschen, der 9 Monate lang im Wasser gelegen hat - ganz im Gegenteil, wage ich zu behaupten. Trainiere das Knuffen Suche dir einen passenden Übungspartner - den Papa vielleicht? - er muss sich bäuchlings aufs Bett legen, mit seiner linken Seite zu dir. Er kann sich gerne stur stellen und seine Nase in dem nichtvorhandenen Kissen begraben. Du drehst dann seinen Kopf auf die rechte Seite und übst dabei einen leichten Druck aus. Du nimmst seine Arme und legst die Hände seitlich neben seinen Kopf; auch mit einem abschließenden, leichten Druck. Du streckst seine Beine mit einem Griff um die Oberschenkel flach aus, wieder mit einem leichten Druck. (Lass den Papa dabei nur kichern! Er wird später an dir üben!) Nun legst du deine linke Hand auf seinen Rücken. Mache sie so groß und breit, wie es geht, und drücke leicht nach unten, damit er den Rücken nicht nach oben wölben oder sich auf die Seite drehen kann. Dreht er den Kopf hin und her, drückst du deinen abgespreizten, kleinen Finger gegen den kleinen Nacken, um zu markieren, dass er still liegen bleiben soll. Mit deiner rechten Hand formst du eine leichte Faust und klopfst damit leicht gegen den kleinen Po (da der Papa ja keine Windel trägt, wirst du seine eine Pobacke knuffen). Denke an eine gute Melodie: eins, zwei, drei, vier - und ein, zwei, drei ... etc. Klopfe gerne gleichzeitig den Takt mit deinem Fuß. Knuffe mit deiner Faust in einem rhythmischen und melodischen Takt. Deine linke Hand liegt immer noch auf seinem Rücken, und bei jedem 4. Knuff übst du damit einen leichten Druck nach unten aus. Und eins (drücken), zwei, drei, vier - und eins (drücken), zwei, drei, vier... Das Knuffen ist kein Hauen, eher ein Schubsen, in einem ständigen Rhythmus, so dass der kleine (große) Körper sich bei jedem Knuff leicht bewegt. Die Knuffe sollten sich vom Po nach oben durch den ganzen Körper fortpflanzen. Die gewünschte Reaktion auf dein Knuffen ist, dass der (kleine) Kerl schon nach kurzer Zeit schön schlafen kann ... Er sollte sich nicht gequält vorkommen (auf keinen Fall!). Aber er sollte das Gefühl haben, dass er keine Chance - und auch gar keine Lust - hat, gegen das Knuffen zu protestieren. Er liegt so schön. Und er findet das Knuffen schön. Er wundert sich, warum du ihm nicht schon immer jeden Abend einer solchen Behandlung unterzogen hast - ja, wie wäre es denn noch mit einer asiatischen Massage? Das Trainieren des Knuffens setzt du später an deinen eigenen Oberschenkel fort. Sitze mit "lockeren" Beinen. Der rechte Oberschenkel stellt den kleinen Po des Kindes dar. Knuffe los, die ständigen Bewegungen sind fest, aber nicht "stumpf". Dein linker Oberschenkel stellt den Rücken des Kindes dar. Drücke ihn bei jedem 4. Knuff leicht nach unten. Höre gern Musik beim Üben. Es hört sich schwierig an, aber bald wirst du deinen Rhythmus finden, und er ist das A und O des Knuffens. Dein rechter Oberschenkel soll sich bei jedem Knuff regelrecht ein Stückchen bewegen. Übe sehr sorgfältig, denn ein korrekt ausgeführtes und effektives Knuffen kann selbst das am hysterischsten schreiende Kind innerhalb von 2 Minuten zur Ruhe bringen (auch wenn das Kind dann noch eine Weile weiter schreit, wird es nun kein hysterisches, panisches oder verzweifeltes Schreien mehr sein). Übe deine "Gute-Nacht-Leier" ein Suche dir einen Merkvers oder einen Reim, welchen du deinem Kind als "Gute-Nacht-Leier" präsentierst. (Papa auch! Er kann seine eigene "Leier" haben, oder ihr benutzt beide dieselbe). Meine lautet: "Gute Nacht, mein Kleines, schlaf jetzt schön!" Ganz simpel und einfach. Man kann sie laaangsaaam vorsagen: "Guuute Naaacht, mein Kleeeiiines, schlaaaf jetzt schööön!" ... oder man kann sie halbverärgert oder irritiert knurrend hervorpressen, oder man kann sie schnell, laut und deutlich - als "Schluß-Punkt-aus!" - aussprechen, oder man kann sie weich und schmeichelnd, wie im Vorbeigehen, vorsagen - als Bestätigung, dass alles in bester Ordnung ist, oder man kann sie "singen" in einem angenehm fröhlichen Takt. Die "Gute-Nacht-Leier" sollte rhythmisch klar und melodisch sein. Trainiere eine 4-malige Wiederholung hintereinander (sie wirkt wie eine magische Formel). Trainiere auch eine 6-malige Wiederholung - sie kann mitunter notwendig werden. Zwischen den wiederholten Zeilen machst du kleine, ganz kurze Pausen, und der Tonfall bleibt immer durchgehend gleich: leicht verärgert, zärtlich (aber nicht bedauernd), fröhlich, schnell, genervt, PUNKT-setzend ... Übe laut vor dich hin, mit Kraft und "Donnerstimme". Deine "Gute-Nacht-Leier" muss jedes noch so laute Schreien übertönen können! Trainiere die laute Form, aber auch die leise und weiche Betonung; der treibende Rhythmus muss sich richtig festsetzen. Bald lernst du in der richtigen Situation die richtige Betonung einzusetzen, den unterschiedlichen FRAGEN des Kindes angepasst. Die "Gute-Nacht-Leier" wird schließlich einen realen Reflex beim Kind auslösen: Das Kind hört die "Gute-Nacht-Leier", und legt sich - "baff!" - flach hin. Die Einrichtung des Kinderzimmers Es ist am besten, wenn der kleine Gustav sein eigenes Zimmer hat (sonst muss man sein Bett abschirmen; es ist unser Ziel, dass er nichts von dem, was sonst noch in seinem Zuhause so vor sich geht, sehen kann, dagegen darf er gerne etwas hören können). Das Gitterbett sollte so aufgestellt sein, dass das Licht nicht darauf fällt, wenn man die Tür ganz aufmacht (sie ist sonst angelehnt). Der Raum sollte ganz und gar verdunkelt werden können (die kleinste, sichtbare Kleinigkeit fängt sofort das Interesse eines gerade wach gewordenen, kleinen Kindes, besonders in den frühen Morgenstunden), deshalb sollte der Unterschied zwischen Tag und Nacht total sein. Man sollte also keine kleinen Nachtlämpchen brennen lassen. Das Bett wird ohne Kissen zu Recht gemacht (das Kissen kann zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden). Als "Kissen" zum Hineinsabbern kann man ein zusammengefaltetes Laken über das Kopfende der Matratze (auf deiner linken Seite) ziehen, es sollte festgestopft und glatt sein. Halte das Zimmer kühl, gern mit geöffnetem Fenster, und ziehe das Kind nicht zu warm an. Eine dünne Bettdecke oder eine dicke Baumwolldecke reicht aus - oder ein kleiner, kuscheliger Schlafsack. Verabschiede dich am ersten Abend der "Durchschlaf-Kur" vom eventuellen Schnuller auf "brutale" und radikale Weise. Ein Schnuller wird überhaupt nicht benötigt; er ist der sicherste Störenfried, wenn es ums Durchschlafen geht. Schmeiß ihn weg! Das Kind wird ihn nach der ersten Nacht schon vergessen haben. Jetzt ernennst du die Uhr zu deinem besten Freund, und hängst sie an einen Ehrenplatz neben dem Zeitplan auf, daneben legst du Papier und Schreiber bereit! Während der 4 Nächte notierst du, was du machst, und wie das Kind darauf reagiert - so bekommst du einen aufmunternden und lehrreichen Überblick: Wann wurde das Kind wach - was hast du dann gemacht - wie lange hat es gedauert - was passierte - wann schlief das Kind wieder ein. Das Gute-Nacht-Lachen Ein herrliches Lachen vor dem Schlafen ist der beste Abschluss des Tages. Gustav soll sich richtig wohlfühlen, bevor er schlafen soll - so wohl, wie in seinem ganzen Leben noch nicht. Er soll lachen, vorzugsweise bis zum Umfallen. Vergiss die so genannte Verlangsamung des Tages gegen Abend. Lest ihr abends sonst immer Geschichten, während ihr es euch so richtig gemütlich macht, dann trenne diese Sache nun von der Routine beim Zubettbringen! Lesen und Kuscheln kann man z.B. auf der Couch - früher am Abend oder tagsüber, während das Kind noch angezogen und vollkommen wach ist. Der Kleine soll nicht dazu "manipuliert" werden, abends müde und schlapp zu werden, er soll dagegen das Gefühl haben, dass das Zubettgehen eine schöne und vergnügliche Sache ist! Das Programm1. Bescheid geben Lege das fröhliche und glückliche Kind ins Bett. Ziehe die Gardinen zu und mache das Licht aus - vor oder nach dem Zubettbringen (immer in der gleichen Reihenfolge). Beide Eltern können dabei sein, ein Elternteil winkt dann zum Abschied, sagt "gute Nacht" und verschwindet, während der andere Elternteil die "Nachtwache" übernimmt - bis zum großen Wiedersehen am nächsten Morgen, an dem wieder beide Eltern teilnehmen können. (Eine und dieselbe Person sollte die beiden ersten Nächte "übernehmen" - damit die "Gute-Nacht-Leier" in dieser Zeit gleich bleibend ist), in der 3. und 4. Nacht kann man sich abwechseln, und auch die "Gute-Nacht-Leier" kann dann variiert werden). Während du nun mit normaler und freundlicher Betonung deine "Gute-Nacht-Leier" vorsagst, legst du das Kind flach auf den Bauch, einfach und schnell - ohne irgendwelche unruhigen "Fragen" in deiner Stimme oder deiner Körpersprache durchscheinen zu lassen. Du gibst dem Kind Bescheid: Jetzt wird es Nacht, und nachts schlafen wir, das weiß doch jeder! Du markierst mit festen, schnellen Griffen die Schlaf fördernde Bauchlage: die Arme seitlich hoch, die Beine gerade, den Kopf nach rechts; das Kind wird zugedeckt, und deine linke Hand bleibt auf dem kleinen Rücken liegen, mit der rechten Hand formst du eine leichte Faust, und fängst an den kleinen Windel-Po zu knuffen, mit steten, rhythmischen und ziemlich schnellen Bewegungen. Bei jedem 4. Knuff übst du mit der anderen Hand einen leichten Druck gegen den Rücken aus - wie du trainiert hast. Du sprichst dabei nicht. Das Kind soll dich weder hören noch sehen. Du machst einfach weiter. Gib nicht nach. Bald spürst du - na ja, beim ersten Mal kann es eine kleine Weile dauern (ich rechne normalerweise mit 20-40 Minuten) - wie der kleine Körper weicher wird, sich entspannt und schließlich still liegt - und das Kind sagt nichts mehr. Nun wird das Einschlafen möglich - aber erst jetzt. Und genau dieses Ziel musst du erreichen - mit deiner stummen Mitteilung an das Kind; und du musst hartnäckig und methodisch darauf hinarbeiten. Sobald das Kind leise und ruhig ist, und der kleine Körper sich entspannt hat, lässt du dein Knuffen schwacher werden, und du sagst ruhig deine "Gute-Nacht-Leier" vor, während du aufstehst um zu gehen. Die "Gute-Nacht-Leier" sagst du ein zweites Mal auf dem Weg zur Tür, ein drittes Mal, während du die Tür hinter dir zuziehst, und ein viertes Mal außerhalb der Tür - an dem kleinen Spalt der angelehnt bleibenden Tür. Der kleine Gustav wird wahrscheinlich schon mit seinem Protest beginnen, wenn du am Bett mit deiner "Gute-Nacht-Leier" anfängst. Dann muss er eben protestieren. Dabei sprichst du die "Gute-Nacht-Leier" etwas lauter. Du wiederholst sie 4 Mal oder auch 6 Mal, zur Not sogar 8 Mal! Nun reagiert der Kleine, und das kann man ihm ja nicht verbieten. Das soll und muss er tun. Siehe auf die Uhr. Wann hast du das Zimmer verlassen? Notiere. Warte ab und horche. Wird sein Protest lauter, oder ebbt das Schreien wieder ab? Vermutlich das erste, in dieser Phase der "Durchschlaf-Kur". Du gehst dann noch einmal hinein, ohne etwas zu sagen, legst ihn schnell und präzise - und mit festen Griffen - wieder in die richtige Stellung. Arme - Beine - Kopf - deine linke Hand auf seinen Rücken, und das Knuffen geht wieder los - d.h. du gibst ihm noch einmal Bescheid. Sei nicht übervorsichtig, der ganze, kleine Körper soll sich bei jedem Knuff richtig bewegen - eine weiche aber stete Bewegung. Sobald der kleine Körper sich wieder entspannt, und das Kind leise ist, aber bevor es schläft, schließt du das Knuffen mit der "Gute-Nacht-Leier" ab und "leierst" weiter, während du das Zimmer verlässt. Es ist wieder Zeit für eine neue Reaktion des Kindes. Notiere und horche! Außerhalb der Tür darf gerne eine normale Geräuschkulisse wahrnehmbar sein: verschiedene, hörbare Hausarbeiten, Gerede, Fernsehen, Musik. 2. Die Erinnerung Wird sein Schreien wieder lauter? Oder leiser? Reagiere hier nicht voreilig! Wird das Schreien ernsthaft lauter, so dass der kleine Gustav sich fast hysterisch anhört, musst du wieder hineingehen und ihm noch einmal Bescheid geben; hier reden wir vielleicht von einer Minute. Das Ziel ist fortwährend, dass der kleine Körper sich entspannt, und das Kind leise wird; sollte der Kleine nicht ganz und gar leise werden, muss er sich auf jeden Fall bedeutend ruhiger anhören. Du gehst dann wieder hinaus, während du deine "Gute-Nacht-Leier" wiederholst. Das Hauptgewicht der Erinnerung liegt auf der "Gute-Nacht-Leier", nicht beim Knuffen. Du wartest wieder vor der Tür. Nach etwa einer Minute beginnst du erneut mit deiner "Gute-Nacht-Leier". Deine Betonung wird angepasst: Du hörst dich nun sehr bestimmt an. Und gleichzeitig horchst du. "Reagiert" er jetzt? Hast du das Gefühl, dass er dir zuhört? Gut. Warte wieder ab. Die "Gute-Nacht-Leier" wird 4 Mal vor der Tür wiederholt (ausnahmsweise 6 Mal) - und sie dauert jeweils nur eine halbe Minute. Die Zeit zwischen den Wiederholungen muss immer bedeutend länger sein, du solltest aber fortwährend jede zweite Minute deine "Gute-Nacht-Leier" aufsagen, solange noch Bedarf besteht. Wird der Protest des Kleinen doch wieder stärker, so dass du spürst, dass du mit deiner "Gute-Nacht-Leier" überhaupt nicht mehr an ihn herankommst, musst du deine stumme Mitteilung wiederholen - ganz kurz, vielleicht 15-20 Sekunden, etwa 3 Runden knuffen mit genauso vielen Druckausübungen gegen seinen Rücken, und schon verschwindest du wieder, deiner "Gute-Nacht-Leier" im abschließenden Ton vorsagend. Lass wieder Raum für seine Reaktion, horche und erinnere ggf. noch einmal - sooft, wie es nötig sein sollte. Achte auf den Moment, an dem er tatsächlich verstummt ... Endlich ... Da wird es Zeit für den außerordentlich wichtigen Abschluss: 3. Die Bestätigung Hier wird wieder die "Gute-Nacht-Leier" eingesetzt, aber nun ist sie weich und fein und bestätigend. Sie beendet die ganze "Diskussion". Mit ihr bekommst du sozusagen das letzte Wort: "Genau so ist es richtig. So macht man, wenn man schön schläft. Toll!" Bei der ersten Bestätigung wird das Kind wahrscheinlich erneut protestieren, schon wieder - aber das ist halb so wild. Es wird bald nicht mehr vorkommen - damit ist es sicherlich schon nach der ersten Nacht vorbei. Lass den Kleinen auf die Bestätigung reagieren; erinnere nach Bedarf mit einer leicht verärgerten, zurechtweisenden "Gute-Nacht-Leier" (mit der Betonung: "Schreien ist KEINE gute Idee, wie meinst du, sollst du dabei einschlafen können? Hör doch auf damit, du kannst es besser, ich möchte keinen Ton mehr hören. Außerdem habe ich im Raum nebenan noch 17 weitere Babys, die darauf warten, dass ich ihnen helfe, zur Ruhe zu kommen, damit sie schön schlafen können, und danach muss ich übrigens auch noch meine 18 Kühe melken, sobald es nur irgendwie geht, ich kann also nicht die ganze Nacht hier an deiner Tür herumlungern, das sage ich dir!"). Warten. Keine Erinnerung mehr, wenn es nicht absolut notwendig ist (wenn die Hysterie wieder im Anmarsch ist). Warte stattdessen den richtigen Moment ab, um deine bestätigende "Gute-Nacht-Leier" wieder vorzusagen - außerhalb der angelehnten Tür, in einem weichen, wohlmeinenden Ton, voller Freundlichkeit und Bestätigung - 4 Mal wiederholen! Die bestätigende "Gute-Nacht-Leier", die das Kind mit sich in den Schlaf nimmt, bewirkt, dass der Kleine immer länger schläft - und sich auch dabei geborgener fühlt. Diese abschließende, bestätigende "Gute-Nacht-Leier" ist sehr wichtig - fahre also damit fort, bis er sie annimmt, d.h. bis er verstummt und ruhig bleibt! Wenn das Kind das nächste Mal wieder aufwacht, musst du sofort da sein. Der Kleine wird im Laufe der Nacht weiter Fragen stellen, denn er hat noch keine Ahnung, was jetzt Gültigkeit hat. Er muss sofort eine Antwort bekommen. Er darf sich nicht in die Panik hineinsteigern! (Rechne also damit, dass du selbst in den ersten beiden Nächten keinen Schlaf bekommen wirst). Du gehst sofort hinein und gibst ihm Bescheid - knuffst stumm und effektiv, bis er wieder ruhig, entspannt und leise ist. Dann gehst du und sagst dabei die "Gute-Nacht-Leier" 4 Mal vor. Warte ab. Erinnere bei Bedarf, aber vorher lässt du Raum für seine Reaktion; er muss reagieren können, bevor er etwas annehmen kann, er muss zuhören und auf die Erinnerung "antworten". Schließe wieder mit der bestätigenden "Gute-Nacht-Leier" ab. So geht es die ganze Nacht weiter - und du notierst alles. Morgens ist die erste Mahlzeit beispielsweise um 7 Uhr dran, und bis dahin gibst du ihm Bescheid, du erinnerst, und du bestätigst, dass es noch Nacht ist (für ihn zumindest). Ein Spielraum von 15 Minuten (vor oder nach der festgelegten Mahlzeit) ist erlaubt! Wenn es Essenszeit ist, kann man das Kind wecken (das funktioniert am besten) oder zumindest abwarten, bis der Kleine ruhig und zufrieden ist. Man sollte nie ein schreiendes Kind hochnehmen (erst beruhigen - dann hochnehmen!). Es ist soweit. Zeit für die Morgenmahlzeit! Du stürmst hinein und sagst laut und begeistert: "GUTEN MORGEN!" - du machst Licht und bereitest ihm ein herrliches, lautstarkes Wiedersehen, sprudelnd vor guter Laune. Das Kind wird aus dem Bett hochgenommen, und alle sind fröhlich! "Jetzt ist es Morgen, und aaahh, wie schön du geschlafen hast, das war ja richtig herrlich!" ... usw., dabei ist es egal, ob das Kind in der Nacht 120 Mal wach wurde und sich beklagte. Der erste Tag: Du folgst dem festgelegten Mahlzeiten-Schlaf-Schema konsequent (mit 15 Min. Spielraum, wenn Bedarf besteht). Es empfiehlt sich die kleinen, kurzen Nickerchen am Tage während der "Durchschlaf-Kur" im Kinderwagen stattfinden zu lassen - in Bauchlage, draußen an der frischen Luft. Stopfe gern die Zudecke richtig schön fest um das Kind, damit es sozusagen festgehalten wird. Achte auf die Uhr! Wecke das Kind nach genau 20 bzw. 45 Minuten. Bei dem längeren Mittagschlaf kann man auch einen Spielraum von 15 Minuten erlauben - in beiden Richtungen, wenn es nötig werden sollte. Schläft der Kleine am Tage drinnen in seinem Bettchen, musst du dafür eine "Gute-Nacht-Leier" einüben, die das Wort "Nacht" nicht enthält. Hebe auch im Übrigen den Unterschied zwischen Tag und Nacht hervor: Tagsüber ist das Zimmer heller, man hat nur nachts einen Schlafanzug an, und am Tage gibt es im Haus mehr Geräusche! "Stopfe" das Kind mit Essen voll - soviel es nur herunterbekommen kann; Pflaumenmus wird nun als tägliche Nachspeise empfohlen; jetzt wird tagsüber wesentlich mehr gegessen als vor der "Durchschlaf-Kur"! Und halte den Kleinen mit allen Mitteln wach, wenn es noch keine Schlafenszeit ist. Er wird an diesem ersten Tag sehr müde sein. Die zweite Nacht: Nun geht das Zubettbringen schon viel schneller. (Notiere und vergleiche!). Achte darauf, keine Sekunde länger zu knuffen als notwendig. Es geht darum, nicht am Bettchen "kleben" zu bleiben, welches manchmal sehr verlockend sein kann ... Jetzt fängt das Kind nämlich an, echtes Gefallen am Knuffen zu finden, und würde es nur zu gern sehen, dass Mama oder Papa damit unendlich lange weitermacht ... Warum denn nicht die ganze Nacht?! Kläre ihn darüber auf, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Nur beim kurzen, effektiven "Bescheidgeben" wird er noch geknufft, im Übrigen werden die Bedeutung und die Wirksamkeit auf die "Gute-Nacht-Leier" verlegt (aber auch hier musst du darauf achten, nicht "kleben" zu bleiben. Entferne dich von der Tür!). Ab der zweiten Nacht ist das Knuffen als Notmaßnahme zu betrachten und sollte so kurz gehalten werden, wie nur möglich (= der kleine Körper entspannt sich, das Kind wird ruhig, es muss aber nicht unbedingt mucksmäuschenstill sein); am besten knufft man nun gar nicht mehr. Die "Gute-Nacht-Leier" wird beim Verlassen des Zimmers eingesetzt, und wird vor der Tür konsequent fortgeführt - ohne dass du das Zimmer wieder betrittst. Vergiss die abschließende, bestätigende "Gute-Nacht-Leier" nicht! In dieser zweiten Nacht sollte die bestätigende "Gute-Nacht-Leier" nicht mehr von Protesten gefolgt werden. Du hast nun vielleicht das Gefühl, dass die Erinnerung und die Bestätigung überlappen und allmählich verschmelzen. Ganz richtig - die Hauptsache ist, dass du das letzte Wort bekommst! Der zweite Tag Verschiebe nicht die festgelegten Zeiten, halte dich konsequent daran! Hab immer die Uhr und das Schema vor Augen ... Heute wird der Appetit des Kleinen besser sein, die Erschöpfung verwandelt sich nun in Schläfrigkeit, das Kind kann sich ständig die Augen reiben und den ganzen Tag hindurch nur am Gähnen sein ... Ein großer Fortschritt! Die dritte Nacht: Konsequent weitermachen! Jetzt ist es im Prinzip mit dem Knuffen vorbei. Jetzt sollte die Erinnerung jedes Mal funktionieren - automatisch (gefolgt von der bestätigenden "Gute-Nacht-Leier"). Die Reaktionen und die Proteste des Kleinen sollten nun sehr viel kürzer ausfallen, oder ganz und gar wegbleiben. Das Kind stellt Fragen - bekommt Antworten - und ist damit zufrieden. Nun müsstest du zwischen den Runden eine Weile schlafen können (im Raum nebenan, damit du ihn sofort hörst, falls und wenn er wach wird, und sofort beantwortest du seine Fragen mit deiner "Gute-Nacht-Leier"). Bedenke: Damit das Kind Fortschritte machen kann, musst du dich selbst immer weiter zurückziehen - d.h. du traust dem Kleinen immer mehr zu, in dem Glauben, dass er es schaffen KANN. Denn nun fängt er an zu begreifen, und damit auch zu können. Es klappt aber nur, wenn du ihm eine faire Chance gibst! Der dritte Tag Nun haben wir - d.h. das kleine Kind - vermutlich in einer Nacht länger als jemals zuvor geschlafen und sind in viel kürzeren Schüben wach geblieben; in vielen Fällen sind wir während der Nacht gar nicht richtig wach geworden, sondern haben auf eigene Faust zurück in den Schlaf gefunden. Hervorragend! Deshalb sind wir jetzt viel munterer. Wir werden heute bedeutend weniger quengelig, aber immer noch etwas schläfrig sein. Und jetzt essen wir wahrscheinlich mehr als je zuvor. Halte beinhart an den Zeiten fest! Während der "Kur" sollten überhaupt keine Veränderungen im Zeitplan vorgenommen werden. Ruhe, Einfachheit und eine ständig gefestigtere Vorausschaubarkeit gehören zum Tagesablauf, und man sollte behutsam daran festhalten. Sind die drei Nächte planmäßig verlaufen, wird jetzt eine kleine Metamorphose spürbar. Das Kind gewinnt allmählich seine Kraft zurück - "zurück" ist vielleicht zuviel gesagt, da das kleine Kind eventuell sein ganzes kurzes Leben lang ständig zu wenig geschlafen hat... Aber jetzt wird die Veränderung spürbar. Am dritten Tag wirst du für deine Mühe belohnt: Vor deinen Augen blüht das kleine Kind auf - wie eine Blume. Es ist das Schönste, was man zu sehen bekommen kann. In der vierten Nacht und am vierten Tag wird das Schema sich allmählich festigen, sowohl für dich wie auch für das Kind; und warst du der Meinung, dass das Einhalten des Schemas in den ersten Tagen überaus kompliziert und anstrengend war, wirst du jetzt die enormen Vorteile, die daraus entstehen, entdecken. Das Leben wird allmählich bedeutend einfacher. Die Tage (und die Nächte) werden überschaubar, das Planen im Voraus wird möglich. Und das Kind wird dir dabei eine große "Hilfe" sein, sobald bei ihm der Groschen gefallen ist, und dein kleiner Schatz versteht, dass all das Neue ihm in der Tat gut tut, und er es somit selbst möchte. Du kannst dich z.B. darüber wundern, dass er auf einmal so quengelig wird - dann schaust du auf die Uhr und begreifst: "Ach-so, ja! In 5 Minuten ist es Zeit für seinen Mittagschlaf. Das ist also der Grund!" Bald wirst du deine Uhr nach dem Kind stellen können! Das Leben wird immer einfacher und einfach schöner. Das ewige Geschrei ist vorbei, das ständige Quengeln auch - obwohl der eine oder andere Programmpunkt euch vielleicht noch Schwierigkeiten bereitet - und es auch noch eine Woche oder zwei tun wird. In der Regel trifft das für eines der kurzen Nickerchen am Tage zu. Folge dem Schema haargenau - dann werden auch diese Probleme verschwinden. In der Nacht musst du eventuell noch erinnernd auftreten, hin und wieder - meistens werden noch bestehende FRAGEN zwischen 4 und 6 Uhr morgens gestellt - aber nun reden wir von einer Zeit von etwa 2 Minuten, bis der Kleine wieder ruhig ist, und deine kurzen Erinnerungen müssen nun sicherlich nur einmal durchgeführt werden (mit der Zeit reicht dann die bestätigende "Gute-Nacht-Leier"). Die Folge-Woche Nach der 4-Nächte-Kur wird das Schema weiter eingehalten, damit es sich festigt. Die Woche sollte ruhig verlaufen. Tag für Tag (und Nacht für Nacht) müssen gleich bleibend sein. Es ist nicht die Zeit, um auf Reisen zu gehen, man sollte auch noch auf Besuche, die mit vielen neuen Eindrücken beladen sind, verzichten, und auch Übernachtungen außerhalb des Zuhauses vermeiden, etc! Wir haben ja gerade erst gelernt, mit den revolutionierenden Neuerungen umzugehen. Und nun müssen wir uns so richtig daran gewöhnen. Und wir müssen begreifen, dass morgen noch so ein schöner Tag vor uns liegt - und dann werden wir es auch herrlich finden, abends ins Bett gebracht zu werden, um schön zu schlafen. Viel Glück - und dass du die Sache in deinem neuen, wirklich beruhigenden und festen Griff behalten mögest! Den Griff wird der kleine Gustav einfach lieben, weil er somit seine wiedererlangte Energie darauf verwenden kann, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln und fröhlich zu sein - in dem Geborgenheit bringenden Wissen, dass er nun nicht mehr ganz allein versuchen muss, seine Interessen in dieser Welt zu wahren, denn dazu hat er gar keine Lust - und würde es auch nicht schaffen. Copyright: Anna Wahlgren
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