Säuglingstod: Die einfache Wahrheit

 

Das tragische Phänomen des plötzlichen Säuglingstodes, Sudden Infant Death Syndrome (SIDS), beschäftigt eine Menge Forscher weltweit. Sie versuchen, eine Erklärung zu finden für das, was man bisher den unerklärlichen Säuglingstod nannte. Warum geschieht es, dass Säuglinge, vollkommen gesunde, normal entwickelte, kleine Kinder, im Schlaf plötzlich aufhören zu atmen und sterben?
Dabei ist es offensichtlich, dass ein gewisses Maß an Prestige in dieser Forschung steckt. Wer das Rätsel des plötzlichen Säuglingstod löst, wird in aller Zukunft hoch gefeiert werden. Er bekommt vielleicht sogar den Nobelpreis der Medizin!

Ist das der Grund, warum die Erklärung nicht so einfach sein darf, wie sie in der Tat ist?

”Eine gute Freundin von mir musste dieses vernichtende Trauma durchleben”, schreibt eine Mama. ”Ihr Kind starb im Alter von sechs Monaten. Das Kind war im Gitterbett so schön auf dem Rücken zum Schlafen hingelegt worden, und alle medizinischen Ratschläge wurden befolgt. Sie bekam nie eine Erklärung, warum ihr Kind starb.”

Man muss kein Arzt oder Forscher sein – und auch keine neunfache Mutter, wenn man so will, die fast ein halbes Jahrhundert lang Tag und Nacht mit vor allem vielen ganz kleinen Kindern gelebt und gearbeitet hat (meine persönlichen Forschungsunter-lagen umfassen 800 Säuglinge) – um festzustellen, dass alle Eltern von der unregel-mäßigen Atmung des neugeborenen Kindes sehr beunruhigt sind. Das Kind keucht mal so als würde es nach Luft schnappen, und mal liegt es komplett unbeweglich als würde es überhaupt nicht atmen – was es auch nicht tut; Neugeborene können mehrmals am Tag Atempausen bis zu einer Länge von 40 Sekunden machen. Was nur wenige Erwachsene schaffen würden.

Warum ist das so?

Weil die Atmung nicht von Anfang an automatisch funktioniert, welches genauso für  den überaus komplizierten Verdauungsapparat gilt. Es kommt, in seltenen Fällen, vor, dass kleine Kinder es versäumen nach einer dieser langen, unregelmäßigen Atempausen wieder weiterzuatmen. Und genau so einfach ist die Erklärung des plötzlichen Säuglingstodes.

Ein Kind, das geboren wird, hat vorher noch nie Luft geatmet. Die Atemtätigkeit kann als eine Reihe von Reflexbewegungen beschrieben werden. Das Kind zieht zum aller ersten Mal Luft in seine Lunge, damit es übers Blut Sauerstoff aufnehmen kann; das Kind atmet, weil es atmen muss. In derselben Weise saugt das neugeborene Kind an allem, was ihm zum Saugen angeboten wird. Das Kind saugt, weil es saugen muss, es hat aber natürlich keine Ahnung, dass dieses Saugen dazu führt – dazu führen wird – dass das Kind überlebt.

Alle frischgebackenen Eltern wissen, dass das Kind essen muss um zu überleben. Alle Eltern wissen, dass das Kind atmen muss um zu überleben. Wenn dann die Atmung unregelmäßig ist, was sie am Anfang des Lebens und noch viele Monate weiter ist, entsteht die gleiche Unruhe bei den Eltern, die auch beim Unvermögen ihres Kindes gut und viel zu essen entstehen sollte (bzw. entsteht). Daran ist überhaupt nichts Merkwürdiges. Es geht um Instinkte. Der Mensch weiß es, rein instinktiv.

Das Rätsel des plötzlichen Säuglingstodes ist kein Rätsel. Die Atmungsautomatik existiert eben nicht von Anfang an. Das Kind, das starb, ”vergaß” wieder Luft zu holen. In derselben merkwürdigen Weise können so große Kinder wie Zwei- oder Dreijährige ”vergessen” den Kopf hochzuheben, wenn sie kopfüber in einer Pfütze landen, sie bleiben liegen und ertrinken. Sie leisten überhaupt keinen Widerstand. Sie könnten aufstehen und gehen, tun es aber nicht. So werden die Atmungsreflexe hin und wieder unwiderruflich versagen.  
 
 

Vor zwölf Jahren hatte ich ein kleines Enkelkind bei mir für eine Durchschlafkur. Ich sollte dafür sorgen, dass der kleine, fünf Monate alte Nichtschläfer seinen guten und lebensnotwendigen Schlaf bekam. Selbst schlief ich natürlich nicht mal eine Minute. Atmete er noch? Atmete er auch richtig?  Wieder und wieder strich ich ihm über die Handfläche um so eine Reflexbewegung als Antwort zu erhalten. Es war nicht mein eigenes Kind; die Verantwortung war besonders groß und die Unruhe kaum auszuhalten. Am nächsten Tag habe ich zum ersten Mal davon gehört, dass die so genannten Atemüberwachungsgeräte nun auch für ganz normale Menschen verfügbar wären, nicht mehr nur in Krankenhäusern. Ich habe gejubelt. Per Paketdienst bekam ich noch am selben Tag ein Gerät geliefert. In der zweiten Kurnacht habe ich mich dann schon getraut, mich auch selbst hinzulegen, da der Alarm die Überwachung für mich übernahm. Eine kleine, grüne Lampe blinkte beruhigend und zeigte mir, dass das Kind immer weiter atmete.

Dasselbe kleine Kind schlief einige Zeit später schön und tief in seinem Kinder-wagen, während die Eltern in einer schönen Sommernacht an einem festlichen Krebsessen teilnahmen. Die Eltern saßen gleich neben dem Kinderwagen und genossen den schönen Abend, eine ganze Weile lang. Aber dann ging der Alarm los. Das Kind hatte aufgehört zu atmen. Keiner hätte etwas bemerkt, wenn nicht der Alarm Bescheid gegeben hätte. So konnten sie schnell das Kind daran ”erinnern”, dass es weiteratmen muss. Das Kind wurde auf den Rücken gedreht, um es aus dem Tiefschlaf zu holen, und so wurde die Katastrophe, die sonst hätte geschehen können, abgewehrt. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte der kleine Kerl auch ohne Hilfe wieder angefangen zu atmen. Der Alarm reagiert schon, wenn eine Atempause von 12 Sekunden entsteht. Aber wer weiß? Innerhalb von nur drei Minuten hätte es zu spät sein können.

Meiner Meinung nach ist das Atemüberwachungsgerät die beste Erfindung, die nach der Waschmaschine gemacht worden ist! Ich empfehle allen Eltern, die mir über den Weg laufen, die Anwendung eines solchen Gerätes, und natürlich auch meinen eigenen Kindern. Meine Verwunderung war deshalb massiv, als ich begriffen habe, dass die Experten in Sachen plötzlichem Säuglingstod vom Atemüberwachungsgerät abraten. Jeder Mensch würde sich genau so wundern, wenn die Feuerwehr plötzlich vom Gebrauch von Rauchmeldern abraten würde, oder wenn die Verkehrssicherheit den Sicherheitsgurt abschaffen würde – mit Begründungen a la ”ihr würdet euch nur unnötig Sorgen machen” oder ”solche Sicherheitsvorkehrungen vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl.”

Und hier trennen sich die Wege. Meines Wissens gibt es keinen einzigen Fall in der ganzen Welt, bei dem wissenschaftlich dokumentiert wurde, dass ein Kind an plötzlichem Säuglingstod gestorben ist, während die Sensorplatten des Atemüberwachungsgerätes unter seiner Matratze eingeschaltet waren.  Aber die Ärzte und die Forscher raten weiter davon ab. Es kann dafür nur eine Erklärung geben. Und sie ist so zynisch, dass ich Hemmungen habe, sie hier zu beschreiben.

Das Rätsel des plötzlichen Säuglingstodes ist kein Rätsel. Die Erklärung des unerklärlichen Säuglingstodes ist in ihrer Einfachheit zu einfach. Dass Kinder in ganz seltenen Fällen einfach ”vergessen” zu atmen bildet keine fette Grundlage für die Forschung, ist nicht gerade Prestige fördernd und trägt auch nicht zur Qualifizierung für den Nobelpreis bei. Selbst ein so tragisches Phänomen wie der plötzliche Säuglingstod steht für einen Arbeitsbereich mit sehr guten Karrieremöglichkeiten.
 
 

Für meinen Teil wahre ich den guten, ungestörten, zusammenhängenden Schlaf der kleinen Kinder. Die Experten in Sachen plötzlichem Säuglingstod haben einen anderen Weg gewählt. Mit Hilfe von Schreckenspropaganda hat man alle frischgebackene Eltern auf die Nase gebunden, dass es mit Lebensgefahr verbunden wäre, einen Säugling in Bauchlage liegen zu lassen – obwohl die kleinen Menschen-kinder genau dafür geschaffen sind, so wie auch die Schildkröten, die Frösche und die Käfer. Es geht hier nicht nur um die Bewegungsfreiheit und die Vorteile in Bezug auf die neurologische Entwicklung, sondern auch um den lebensnotwendigen Tiefschlaf. Kleine Kinder, die von Anfang an auf dem Bauch schlafen dürfen, bekommen selten oder nie Schlafprobleme. Unter den Rückenschläfern sind Schlafprobleme eher die Regel als die Ausnahme. (Und für sie habe ich die Durchschlafkur entwickelt, welche die einzige, so genannte Schlafmethode ist, die den Säuglingen eine echte, körperliche und ganz konkrete Sicherheit vermitteln kann, die in der zerbrechlichen Welt der kleinen Kinder, die vom Gefühl der Ausgesetztheit und Hilflosigkeit geprägt ist, die Gewissheit des Überlebens bedeutet.)

Man muss also seinen Weg finden. Ich habe meinen gefunden: Die kleinen Kinder brauchen ihren guten Schlaf. Sie brauchen und wollen nachts ruhig und ungestört schlafen, genau wie wir alle. Die Forscher haben den anderen Weg gewählt. Auch auf Kosten des guten Schlafes der kleinen Kinder - ja, in der Tat auf Kosten ihres Lebens, das nicht mit einem Atemüberwachungsgerät geschützt werden solle - suchen sie weiter nach der Erklärung des plötzlichen Säuglingstodes in ganz anderen Richtungen, als dort wo sie wirklich liegt. Und somit kann die lukrative Forschung in aller Ewigkeit weitergehen. So kann die Statistik durch immer mehr ”Ergebnisse” heruntergebracht werden, bis die endgültige Lösung sich so darstellen könnte, dass man überhaupt nicht mehr schlafen sollte, weder Kinder noch Eltern. Die allermeisten Todesfälle geschehen ja im Bett. Wenn alle wach bleiben, sinkt die Statistik für Todesfälle im Bett drastisch. Die Unfallstatistik auf den Straßen würde genau so sinken, wenn keiner mehr Auto fährt.

Die neusten Forschungsergebnisse geben den Eltern zu verstehen, dass es ihr Fehler war, dass das Kind starb. Sie haben etwas versäumt – was, weiß (zurzeit) kein Mensch. Während die Wahrheit in ihrer bitteren Einfachheit ist, dass es das kleine Kind war, das nach einer diesen häufigen, oft langen Atempausen versäumte mit dem Atmen weiterzumachen. Die niedergeschmetterten Eltern müssen nun für den Rest ihres Lebens mit dem Wissen leben, dass sie in ihrer Fürsorge versagt haben. ”Du hast eine Viertelstunde zu lange geschlafen”, haben die Ärzte zu einer frisch-gebackenen Mutter, deren Kind an ihrer Seite in ihrem Bett auf der Neugeborenen-station starb. Alle Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Das Kind war tot. Die Schuld ist ihre, und die wird sie ihr Leben lang mit sich tragen müssen.  

Wenn die SIDS-Experten wirklich die Statistik des plötzlichen Säuglingstodes auf null bringen wollten – wohlgemerkt: ohne Atemüberwachungsgerät zu benutzen – könnte man die Kinder gar nicht mehr schlafen lassen. Aber nicht einmal die prominentesten Forscher würden es wagen, eine so verrückte ”Lösung” zu statuieren. Man ist aber schon sehr nah dran: Man verbietet jetzt der Mama zu schlafen. Rauch-, Medizin- und Alkoholfrei muss sie steif wie ein Brett auf einem Stuhl sitzen und ihr Kind sechs Monate lang stillen, Tag und Nacht, und immer hellwach. Schläft sie ein, läuft sie Gefahr, dass ihr Kind stirbt! Indem sie rundum die Uhr die Atemtätigkeit ihres Kindes überwacht, soll sie als lebendiges Atemüberwachungsgerät agieren.  

Unter anderen Peter Fleming, Professor in Kinderheilkunde und Entwicklungs-psychologe in Bristol, England, hat seine neusten Ergebnisse zu Markte getragen. Er fühlt sich aber von den Medien falsch verstanden. ”Wie ich es sehe, ist das Positive an dieser Studie, dass besonders für stillende Mütter klargestellt wird: Trinkt kein Alkohol, nehmt keine Drogen und raucht nicht! Wir haben aber kein erhöhtes Risiko beim Schlafen im Familienbett gefunden. Unsere Botschaft ist ein ganz anderes als das, was die Medien aufgegriffen haben.” (The Guardian, 16. Oktober 2009.)

Er verteidigt sich weiter: ”Es ist zwar so, dass die Hälfte der Todesfälle geschah, während das Kind bei seinen Eltern schlief. Aber es ist ja auch so, dass die Hälfte der Todesfälle geschah, während das Kind in seinem eigenen Bett schlief. Aber meines Erachtens hat noch niemand gesagt: ”Legt das Kind nie ins Gitterbett!”

Er setzt sein leicht entsetztes Räsonnement (bei dem er vergessen hat zu erwähnen, wie das Kind lag – sicherlich auf dem Rücken – und sicherlich auch ohne Atem-überwachungsgerät): ”Würden wir vom Familienbett abraten, könnte es passieren, dass die Eltern sich stattdessen mit dem Kind auf die Couch legen und dabei einschlafen, welches ein viel größeres Risiko beinhaltet. Zwei der Familien, die ihr Kind durch SIDS verloren, haben berichtet, dass ihnen davon abgeraten worden war, das Kind mit im Ehebett schlafen zu lassen, dass sie aber das Risiko beim gemeinsamen Schlafen auf der Couch nicht erkannt hatten.”
 
 

Was ist denn das Gefährliche beim Einschlafen auf der Couch? Welches Risiko besteht denn genau für das kleine Kind, das dort an Mamas Brust oder Papas Flasche liegt? Besteht für das Kind die Gefahr darin, dass es an SIDS sterben könnte, weil das wachhabende Elternteil einschläft? Oder besteht das Risiko darin, dass die Eltern das Kind zu Tode liegen könnten, benebelt wie sie aus dem einen oder anderen Grund sind (einer der Gründe wäre sicherlich der Schlafmangel)? Könnten irgendwelche dieser Faktoren überhaupt zum SIDS führen?

Nein. In dem Fall würde es um Tod durch Ersticken gehen.

Bei einem Obduktionsprotokoll kann man den Tod durch Ersticken nicht vom SIDS trennen. Das heißt nicht, dass Tod durch Ersticken dasselbe ist wie SIDS. Man kann es so darstellen: Tod durch Ersticken wird durch äußere Faktoren verursacht, während SIDS auf inneren Faktoren beruht. Der plötzliche Säuglingstod wird durch nichts anderes verursacht als dem Versagen der Atmungsautomatik. Eine dieser häufigen Atempausen, die alle kleine Kinder im Tiefsxhlaf haben, kann eine zu viel und zu lang werden.  

Die Schuld daran, dass das Kind seine Atmung nicht wieder aufnahm, lag nicht bei der erschöpften Mutter, egal ob sie benebelt war oder nicht. Es war auch nicht die Schuld des kurz vor der Ohnmacht stehenden Vater, egal ob er unter Drogeneinfluss stand oder nicht. Das Versagen des Atmungsreflexes war ”schuld”.

Fleming und seinen Forscherkollegen in der ganzen Welt ist heiß um die Ohren geworden. Und es wird ihnen vermutlich noch heißer werden. Mit dem Beschützerinstinkt des Menschen sollte man nicht spielen. Kein noch so gefeierter Experte wird auf Dauer damit Erfolg haben, den Eltern so viel Angst einzujagen, dass sie gegen ihre Instinkte handeln. Der Überlebenstrieb ist der stärkste Trieb, den wir haben – und er macht nicht bei der eigenen Person halt, beim Ego. In dem Fall hätten wir als Art kaum auf dieser Welt überlebt, noch weniger hätten wir uns die ganze Welt zu Füßen legen können. Wir haben nicht überlebt, indem wir die anderen sich selbst überließen, vor allem nicht diese unsere Kleinsten, die unser Geschlecht weiterführen sollten. Einem hilflosen Kind Essen zu geben, es warm zu halten, es in bester Weise gegen wilde Tiere und jegliche andere lebensbedrohliche Gefahr zu schützen, ist ein allgemeinmenschliches Gesetz, das seit Jahrmillionen in der vererbten Natur des Menschen verankert liegt. Wenn dann die Herren Forscher den frischgebackenen Müttern verbieten wollen, das Kind an sich zu nehmen, es zu stillen und es zu wärmen und mit ihnen zusammen einzuschlafen, dort wo sie gerade liegen, im Bett oder auf der Couch oder auf einer Bastmatte direkt auf dem gestampften Fußboden oder wo die Frauen nun auch ihren Schlafplatz haben mögen, fordern sie nicht nur den Beschützerinstinkt sondern auch den Überlebenstrieb, der den Menschen als Art umfasst, heraus. Und das tun sie nicht ungestraft. Diesmal sind sie zu weit gegangen.

Kinder sterben trotzdem, so wie es schon immer war. Mozart bekam sieben Kinder, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. In alten, schwedischen Geschlechtsannalen aus dem 18. und 19 Jahrhundert findet man Aufzeichnungen über Kindestod im Säuglingsalter, bei denen das ”Zu Tode gelegen” oft als Todesursache angeführt wird. SIDS oder nicht? Unmöglich zu sagen. Kinder starben und sterben auch vor Hunger oder Kälte, an lebensbedrohlichen Krankheiten – die in der heutigen Zeit nicht mehr so häufig wirklich lebensbedrohlich sind (hier bei uns).  

Eines ist sicher: Der plötzliche Säuglingstod wird nicht durch allgemeine Schlafdeprivation ausgerottet.  

Die Kernfrage bleibt unbeantwortet. Soll die Katastrophe nachträglich mit Hypothesen erklärt werden – oder soll die Katastrophe vorbeugend abgewehrt werden?

Für mich ist die Antwort ganz klar, gerade weil wir heute so unendlich viel sicherer leben, als es früher der Fall war – und in manchen Teilen der Welt immer noch ist.  

In diesem Sinne kommt hier meine Liste über Nicht-Risiken:

    * Säuglinge sollen in Bauchlage schlafen. Dafür sind sie geschaffen, das sieht jeder, der mal genau hinschaut.

    * Jedes Kind soll schon auf der Entbindungsstation ein Atemüberwachungsgerät erhalten, nicht nur die Frühchen, und das Gerät soll zehn – elf Monate lang zur Grundausstattung gehören.

    * Säuglinge sollen auf einer festen Unterlage schlafen, in ihrem eigenen Bett, in einem kühlen und dunklen Raum, mit leichter Kleidung und nackten Beinen und Füßen. Die Wärme erhalten sie von der Zudecke samt der Unterlage, ohne dass die Bewegungsfreiheit dadurch behindert wird.

    * Säuglinge dürfen sich nicht in den Schlaf schreien. Sie sollen dort, wo sie liegen, beruhigt werden. Die Fünf-Minuten-Methode (Controlled Crying Method) ist verwerflich.

    * Gesunde Kinder sollten nie Medikamente bekommen.

Stockholm, Schweden, November 2009      Anna Wahlgren