Die SafariStell dir vor, du fährst auf Safari! Du machst eine der fantastischen Reisen, von denen du schon immer geträumt hast. Nun bist du endlich da! Du befindest dich mitten im Dschungel, du hast einen ganz fantastischen Reiseleiter, ihr seid eine kleine Truppe von Menschen, die alle für großartige Naturerlebnisse nur so brennen. Die Reise kostet dich dein letztes Hemd, aber jeden Cent ist sie dir wert. Schon an diesem ersten Tag habt ihr jede Menge wilde Tiere beobachten können, und morgen früh wollt ihr auf Vogeljagd gehen. Welch ein Abenteuer! Nach einem herrlichen Nachmittag verbringt ihr den Abend am Lagerfeuer, und dann bekommst du ein eigenes Zelt, in dem du die Nacht dort mitten im Dschungel verbringen sollst. Der Reiseleiter erklärt, es sei sehr wichtig, dass du auch wirklich auf dem Feldbett mit seinen hohen Beinen schläfst, denn "es können sehr wohl Giftspinnen und Skorpione hier herum kreuchen." Er wünscht dir eine gute Nacht, du kriechst auf dein Feldbett und würdest am liebsten deine Knie bis zum Kinn hochziehen, wenn nur Platz genug wäre. Aber du tust alles, um deine Ängstlichkeit zu überwinden. Es war ein langer und anstrengender Tag, in deinem Kopf schwirren noch Tausende von neuen Eindrücken umher, und du bist jetzt einfach todmüde. Es wird wunderbar, endlich schlafen zu können! Du liegst dort und horchst auf die Kakophonie der vielen Geräusche aus dem Dschungel, und du fühlst dich vollkommen geborgen. Aber was war denn das? War es nicht ein Löwe, der brüllte? Hast du dich vielleicht verhört? Oder war er direkt außerhalb der Zeltplane? Du weißt es nicht genau. Dein Herz hämmert wie verrückt. Du setzt dich stocksteif im Bett auf. Es war tatsächlich ein Löwe, der brüllte! Horch! Da war er schon wieder! Ein langes, grollendes Gebrüll, ganz nah bei, fast genau an deinem Zelt ... Mein Gott! Was tust du jetzt? Du starrst voller Schrecken in Richtung Zelteingang ... ein Löwe könnte doch ohne weiteres da durch ... Du meine Güte, er hat schon wieder gebrüllt! War er jetzt nicht vielleicht noch näher gekommen? Dein Herz schlägt nun so laut, dass du deine eigenen, erschrockenen Gedanken kaum hören kannst. Du schreist nicht. Du bist ja ein erwachsener Mensch. Und obwohl du in deinem ganzen Leben noch nie so viel Angst hattest, versuchst du dich einigermaßen zivilisiert zu benehmen. Du rufst - leise und vorsichtig - Richtung Zeltöffnung: "Hallo! Ist da jemand? Hallooo ..?" Und welch eine Erleichterung! Das Zelt wird einen Spalt weit aufgemacht, und im Schein des Lagerfeuers siehst du, wie der Lauf eines Gewehrs durch die Zeltöffnung geschoben wird, und es ist tatsächlich dieser tolle, wunderbare und starke Reiseleiter, der das Gewehr hält! Dieser Anblick macht dich unendlich glücklich. "Keine Gefahr," sagt er und lächelt dich beruhigend an. "Ich bin da. Ich halte vor deinem Zelt Wache. Du kannst in aller Ruhe schlafen." Ach..., am liebsten hättest du dich ihm um den Hals geworfen, so erleichtert bist du! Aber dann fallen dir noch die Giftspinnen und die Skorpione ein ... Du legst dich wieder hin, dein Herz rutscht aus deinem Hals an seinem gewohnten Platz zurück, und du schläfst wieder beruhigt ein. Aber - was war denn das jetzt? Jetzt sind da DREI Löwen, die draußen brüllen! Einer an jeder Seite des Zeltes und einer an der Rückseite - darauf könntest du schwören! Mein Gott! Drei Löwen! In der schwarzen Nacht des Dschungels bist du von brüllenden Löwen umringt. Aus allen Richtungen kommen sie immer näher. Es ist wirklich furchtbar! Du hast Angst um dein Leben. Was sollst du bloß machen? Dein Herz donnert wie ein Presslufthammer. Du versuchst dich selbst zu beruhigen, du versuchst einen klaren Gedanken zu fassen ... Der Reiseleiter hat doch gesagt, dass er Wache hält ... er hat gesagt, du könntest in aller Ruhe schlafen. Aber was ist nun, wenn er gar nicht mehr da ist? Er muss ja auch irgendwann schlafen? Was ist, wenn er die Löwen gar nicht hört? Vielleicht ist er irgendwo zu einer hübschen Frau ins Zelt gekrochen und bekommt nun gar nicht mit, dass du hier in Lebensgefahr schwebst? Die Löwen brüllen Furcht einflößend! Du bist überzeugt, dass einer von ihnen, oder zwei, oder gar alle drei auf einmal sich im nächsten Moment übers Zelt hermachen werden. Sie werden dich holen. Sie werden dich in Stücke reißen! "Hallo ...", jammerst du, unglücklich und zitternd vor Angst. Deine Stimme ist kaum noch hörbar. Und Gott sein Dank! Er ist da! Der Gewehrlauf erscheint wieder in der Zeltöffnung, und das beruhigende Lächeln des Reiseleiters strahlt dich an, genau so Geborgenheit bringend wie beim ersten Mal. "Keine Gefahr", versichert er. "Ich halte Wache. Du kannst ruhig schlafen." Und er überzeugt dich wirklich. Er erzählt dir, dass sie eine ganze Mannschaft von Wachposten sind. Hier wird das teure Leben des einzelnen Reiseteilnehmers nie aufs Spiel gesetzt, niemals! Aber ... wenn du dir nun vorstellst, dass der Reiseleiter sich ganz anders verhalten würde: Anstatt hellwach und schussbereit genau vor deinem Zelt auf seinem Posten zu bleiben, kommt er nun zu dir ins Zelt gekrochen, nachdem er sein Gewehr draußen vor der Zeltöffnung abgestellt hat. Du tust ihm in der Tat Leid, weil du so sehr Angst hast, dass die Tränen dir in den Augen stehen. Er macht den tröstenden Vorschlag: "Ich kann ja eine Weile neben dir im Bett liegen, wenn du möchtest. Ich kann da liegen und dich ein bisschen streicheln!" Hmmm, denkst du, etwas verwirrt. Es wäre vielleicht ganz nett, aber ... würdest du dadurch ruhiger werden? Das wohl nicht gerade! Die Löwen brüllen dort draußen! Drei an der Zahl! Aber eigentlich muss er ja wissen, was er tut, denkst du bei dir, er ist doch Reiseleiter und alles. Dabei stellst du dir vor, was passieren könnte: Er liegt außen, und somit wird der erste, hereinbrechende Löwe ihn wohl zuerst fressen. Aber das würde dir ja gar keinen Schutz bieten. Es wären ja immer noch zwei Löwen da! Du würdest dich nicht retten können! Nein, es wäre deiner Meinung nach keine gute Idee. "Wir könnten ja auch ein bisschen tanzen," schlägt er vor und breitet seine Arme aus, um dich in einen langsamen Walzer zu entführen. "Wäre das nicht schön?" Naja, das weißt du nun wirklich nicht. Du hast eigentlich gar keine Lust, deine Füße auf den Boden zu stellen, um mit ihm zu tanzen, und außerdem begreifst du nicht, wie zwei im Zelt umher tanzende Menschen sich vor den angreifenden Löwen schützen sollten, und sie können ja jederzeit einen lebensbedrohenden Angriff starten. Und er hat ja nicht einmal sein Gewehr dabei! "Aber wir könnten doch eine schöne Tasse Tee trinken, du und ich?" meint der Reiseleiter. "Und vielleicht ein wenig Happa Happa dazu?" Nun fängt er sogar an in Babysprache zu sprechen. "Wäre es nicht toll, Mäuselein, mit ein Büschen Tee und ein bissi Brot?" Er lächelt so nett und legt seinen Kopf ein wenig schräg. Er würde wirklich alles tun, damit es dir hier im Zelt richtig gut geht. Hier mitten im Dschungel. Mitten in der Nacht. Mit brüllenden Löwen drumherum. In dem Moment macht es in deinem Inneren Klick. Du hast das Gefühl, dass du dich bald nicht mehr so zivilisiert verhalten wirst können. Du hast für diese Reise teures Geld bezahlt, und du möchtest deine Reise mit dem Wissen genießen, dass für deine Sicherheit garantiert wird - wie es vor der Abreise versprochen wurde. Außerdem willst du morgen früh um sechs Uhr aufstehen, um auf die Vogeljagd zu gehen. Du brauchst deinen Schlaf! Und du möchtest in aller Ruhe schlafen können! Ist es denn nicht sein Job, Wache zu halten, damit du schlafen kannst? Du bist mit deiner Geduld am Ende und lehnst jeden Vorschlag mit Nachdruck ab: "Nimm dein Gewehr und sieh zu, dass du auf deinen Posten zurückkommst! Hör endlich auf, hier im Zelt umher zu trampeln und meinen Schlaf zu stören! Ich WILL schlafen! Du brauchst dich hier nur um deinen Job zu kümmern! Sorge endlich dafür, dass ich beruhigt schlafen kann und lass mich in Ruhe!" Und wie reagiert der "Wachmann"? Fängt er vielleicht an zu weinen: "Magst du mich denn gar nicht mehr? Ich dachte, du magst mich ..." Vielleicht ... Auf jeden Fall schweigen die Löwen!
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