These und SchlafbedarfThese: Die Eltern sind die Überlebensgaranten des Kindes. Die Eltern müssen täglich, ja, stündlich, dem Kind den bösen Wolf - in jeglichem Erscheinungsbild - vom Leibe halten. Kleine Kinder sollen sich trauen, zu schlafen und auf eigene Faust einzuschlafen, geborgen in sich selbst, vergewissert, dass keine Gefahr droht. Die Durchschlafkur ist entstanden durch meine Arbeit mit hunderten, und nochmals hunderten von Säuglingen mit Schlafschwierigkeiten, die ich durch Jahrzehnte hindurch zu einem guten Schlaf habe helfen können. Das Prinzip der Durchschlafkur ist schlicht und einfach: Beruhige das Kind, dort wo es liegt.
Der gesamte Schlafbedarf eines Säuglings sieht wie folgt aus: Im Alter von 1 Monat: ca. 16,5 Std. / Tag
Neugeborene Kinder wissen instinktiv, dass sie sich in einer hilflosen Ausgesetzt-heit befinden. Die armselige Erfahrung, die sie bisher gemacht haben, ist, dass das Leben zerbrechlich ist. Sie mussten herauskommen aus dem geborgenen Leben in der Gebärmutter, wo sie nie Hunger empfanden, nicht atmen mussten, ihnen niemals kalt war, und wo kein Gefühl der drohenden Gefahr jemals aufkam. Sie mussten heraus, weil sie keine Nahrung und auch keinen Sauerstoff mehr bekamen. Sie werden nicht geboren in einem Gefühl der Sehnsucht oder der Neugier nach Mama oder nach Papa. Sie kommen auf die Welt, geplagt von der Überlebensangst. Sie wollen und müssen leben; deshalb werden sie geboren. Aber sie glauben, dass sie sterben werden. Allein würden sie sich nicht retten können, nein, sie würden nicht am Leben bleiben können. In dieser Überlebensangst machen sie ihren ersten Atemzug. Sie haben vorher noch nie geatmet. Sie verstehen natürlich nicht - rein intellektuell - dass sie beim Atmen Luft in die Lunge ziehen, und dass die Lunge den Sauerstoff aus der Luft ins Blut befördert, welches bewirkt, dass man weiterleben kann. Genauso wenig verstehen sie, dass sie durch das Saugen - diese Fähigkeit ist ihnen von der Natur mit auf dem Weg gegeben - Flüssigkeit in den Mund hineinsaugen, um sie dann hinunterzuschlucken, oder dass sie durch diese so genannte Nahrungsaufnahme ihr Leben retten. Sie saugen, weil sie saugen müssen. Der Zusammenhang zwischen Essen im Mund - vollem Magen - Wohlbefinden - Stillen der Überlebensangst - ist ihnen unbekannt. Die Erfahrung eröffnet ihnen allmählich diesen Zusammenhang, sowie auch die Atmung eines Tages ganz automatisch und zuverlässig funktionieren wird. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Einige Kinder werden mit einer stärkeren Überlebensangst geboren als andere, sowie es auch in jedem Vogelnest immer ein frisch geschlüpftes Vogeljunges gibt, das lauter piepst als alle anderen und das sich immer vor dem Schnabel seiner oft kleineren und auch mickrigeren Geschwisterchen die dicksten Würmer angelt. Die jungen Vögelchen haben aber keine Kolik - und die neugeborenen Menschenkinder auch nicht. Kinder werden nicht mit einer Kolik geboren. Die Kolik ist in der Tat eine nicht gelinderte Überlebensangst. In dem Moment, in dem es einem gelingt, die Überlebensangst zu stillen - mit Essen, viel Essen, mehr Essen und nochmals Essen - verschwindet auch die so genannte Kolik. Damit ein kleiner Säugling an sein Weiterleben glauben mag und kann, ist nicht nur Essen, viel Essen und noch mehr Essen erforderlich. Er sollte auch die erforderliche Energie besitzen. Er sollte seinen Lebenswillen, seine angeborene Lebensfreude und Lebenskraft genießen und verfeinern können, denn sie sind es, die unseren Überlebenstrieb prägen und stärken. Und das schafft das Kind nicht ohne Schlaf, viel Schlaf, ausreichend viel Schlaf. Säuglinge - Neugeborene ausgenommen, deren Schlaf der Bewusstlosigkeit ähnelt - können sich nicht selbst den Schlaf nehmen, den sie brauchen. Der Zusammenhang sich müde fühlen - sich hinlegen - leise sein - einschlafen - erholt wieder aufwachen ist den kleinen Kindern noch unbekannt. Sie haben einfach Angst um ihr Leben: „Werde ich untergehen?" Sie fürchten sich vor dem bösen Wolf, der in unserer Kultur alles symbolisiert, was des Menschen Leib und Leben bedrohlich werden kann. Aus dieser Überlebensangst heraus schreien die Kinder. Sie schreien nach Sicherheit. Sie bitten um Hilfe, damit sie ihre Ruhe finden können. Sie brauchen Hilfe, damit sie sich trauen, in aller Ruhe zu schlafen, genauso wie sie beim Stillen / Flasche trinken / Brei essen Hilfe brauchen, damit sie Nahrung zu sich nehmen können. Sie können sich nicht selbst um ihren Schlaf kümmern, genauso wenig wie sie ohne Hilfe essen können. Das Grundprinzip der Durchschlafkur ist, dass man die Kinder dort beruhigt, wo sie schlafen. Ihre Schreie sind Fragen: „Wird der Wolf mich jetzt holen?" Deine Antwort - durch augenblickliches Handeln - muss Geborgenheit bringend sein: „Ich wahre deine Interessen. Ich sorge dafür, dass der Wolf dich nicht holt. Du kannst beruhigt schlafen. Du kannst dich vollkommen sicher fühlen. Ich stehe immer zwischen dir und dem Wolf. Dir kann überhaupt nichts passieren." Wer stattdessen das Kind aus dem Bett holt, um es am eigenen Körper zu schützen, und es umherträgt und tröstet, wird das kleine Kind sicherlich für einen Moment beruhigen können, aber man bestätigt dadurch im eigenen Handeln die schlimmsten Befürchtungen des Kindes: „Hier kannst du auf keinen Fall liegen bleiben! Der Wolf könnte dich jederzeit hier wegschnappen! Es ist lebens-gefährlich, hier zu bleiben, wir müssen dich schnellstens in Sicherheit bringen!" Diese Antwort ist nicht gerade Geborgenheit bringend. Außerdem ist es nicht wahr - das Bett ist kein gefährlicher Ort, es gibt hier keinen Wolf. Und das Kind wird diese falsche Antwort nicht akzeptieren. Denn kein Mensch, groß oder klein, erträgt es, in ständiger Angst ums Überleben zu leben. Kein Mensch schläft besonders gut, wenn er Angst um sein Leben haben muss. Deshalb wird das Kind weiter aufwachen / schreien / fragen, Nacht ein Nacht aus, in der Hoffnung, dass es doch noch eine im wahrsten Sinne des Wortes Geborgenheit bringende Antwort bekommt. Es gibt den bösen Wolf. Er kann nicht verneint oder weg getröstet werden. Also muss man ihn in Schach halten, vorbeugend und kontinuierlich, und wir tun es andauernd, wenn wir erst einmal wissen, wie es geht. Der Mensch hat sich Häuser gebaut, weil er sich vor dem bösen Wolf schützen wollte. Jeden Tag, und jeden Abend vorm Schlafengehen, treffen du und ich und alle anderen Menschen eine ganze Menge Sicherheitsvorkehrungen, um nicht dem Wolf zum Opfer zu fallen - egal in welcher Erscheinung er auftreten mag. Das Kind möchte deine Zusicherung, dass der Wolf nicht kommt. Das Kind möchte - genau wie du und ich, nachdem wir alle Kerzen ausgemacht und die Haustür verriegelt haben - in aller Ruhe schlafen können. Auch du möchtest keine Angst davor haben, dass das Haus in der Nacht niederbrennen könnte, während du schläfst, oder dass jemand sich hineinschleichen und dir nach dem Leben trachten könnte. Du möchtest beruhigt schlafen können. Und das möchte das Kind auch. Aber das Kind kann keine Sicherheitsvorkehrungen treffen. Das Kind kann den bösen Wolf nicht in Schach halten. Das kannst nur du, die/der erwachsen, fähig und überlebenskompetent ist, und du musst es für dein Kind tun. Genau wie du möchte dein Kind von seiner Überlebensangst befreit werden, und nicht daran gefesselt bleiben. |