Av Uta Rasche, politisk reporter på FAZ, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Översättning till danska: Lone Rasmussen-Otten 12.10.2008, Sonntagszeitung, POLITIK (Politik), Seite 7
"Mein Herzensanliegen sind die Kinder"
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2008 (politik) side 7
”Børnene er min hjertesag”
Warum die schwedische Erziehungsratgeberin Wahlgren ein Streitgespräch mit der deutschen Familienministerin von der Leyen ablehnt
Hvorfor den svenske forældrerådgiver Wahlgren afviser at deltage i en stridssamtale med den tyske familieminister von der Leyen
Anna Wahlgren ist Schwedens berühmteste Mutter und erfolgreichste Autorin von Erziehungsratgebern - eine Astrid Lindgren der pädagogischen Literatur. Ihre Bücher wurden in Skandinavien eine halbe Million Mal verkauft, in Deutschland, den Niederlanden und Estland beinahe ebenso oft. Ihr populärstes Werk ist "Das Kinderbuch", ein 800 Seiten starker Wälzer, der Eltern von der Schwangerschaft bis ins Teenageralter ihrer Kinder begleitet.
Anna Wahlgren bekam neun Kinder von drei Männern und war insgesamt siebenmal verheiratet. Heute ist sie 65 Jahre alt und hat zwölf Enkel. Viele Jahre lang sorgte sie allein für ihre Familie. Sie schrieb 27 Bücher und zahllose Artikel - anfangs immer dann, wenn die Kinder schliefen.
Wahlgrens Ansichten sind ganz und gar unschwedisch: Sie lehnt Kinderkrippen ab und plädiert dafür, dass Kinder zumindest in den ersten drei Jahren mit einem Elternteil zu Hause bleiben sollten.
Anna Wahlgren er Sveriges berømteste mor og mest succesfulde forfatter af forældrerådgivere – en Astrid Lindgren indenfor den pædagogiske litteratur. Hendes bøger har solgt en halv million eksemplarer i Skandinavien, i Tyskland, Holland og Estland næsten lige så mange. Hendes kendteste værk er ”De kære børn”, en kæmpebog på 800 sider, som ledsager forældre fra graviditeten helt frem til teenagealderen.
Anna Wahlgren fik ni børn med 3 mænd og var gift hele syv gange. I dag er hun 65 år gammel og har tolv børnebørn. I mange år sørgede hun alene for sin familie. Hun har skrevet 27 bøger og talrige artikler – i begyndelsen skrev hun altid, når børnene sov.
Wahlgrens synspunkter er fuldstædigt usvenske: Hun er imod vuggestuer og plæderer for, at børn i det mindste i de tre første leveår skal blive hjemme sammen med en af forældrene.
Ursula von der Leyen ist Deutschlands berühmteste Mutter. Die Bundesfamilienministerin von der CDU hat sieben Kinder. Sie hat seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 die Politik ihrer Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) fortgeführt, die mit dem Elterngeld die finanzielle Situation vormals berufstätiger Eltern im ersten Lebensjahr des Kindes verbessert. Durch den von ihr forcierten und im September vom Bundestag beschlossenen Krippenausbau haben beide Eltern die Möglichkeit, nach dem ersten Geburtstag des Kindes wieder in den Beruf einsteigen zu können.
Ein Streitgespräch zwischen den beiden erschien reizvoll; nicht jedoch in den Augen Anna Wahlgrens. Der nachfolgende elektronische Briefwechsel mit der Schwedin ist in seiner Leidenschaftlichkeit aber allemal ein guter Ersatz für das nicht zustande gekommene Gespräch:
Ursula von der Leyen er Tysklands berømteste mor. CDUs familieminister har syv børn. Hun har, siden hun overtog posten i 2005 efter forgængeren Renate Schmidt (SPD), videreført dennes politik, som med ”forældrepenge” (Elterngeld) har forbedret den økonomiske situation i barnets første leveår for forældre, som havde arbejdet, før barnet kom. Gennem den af hende forcerede udbygning af vuggestuepladser, som blev vedtaget i Bundestag (folketinget) i september, har begge forældre bedre muligheder for at genoptage deres arbejde, når barnet er blevet et år.
En stridssamtale mellem disse ville have været interessant; dog ikke efter Anna Wahlgrens mening. Men den følgende elektroniske brevveksling med den svenske forfatter er i sin lidenskabelighed en god erstatning for den samtale, som ikke fandt sted:
Dear Anna, ich heiße Uta Rasche und bin Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vor zwei Jahren habe ich mit Ihnen ein Podiumsgespräch während der Frankfurter Buchmesse geführt, erinnern Sie sich? Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie Lust hätten, die deutsche Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu treffen. Wir würden Sie beide gern zu einem Streitgespräch einladen.
Frau von der Leyen macht eine Politik, die Frauen dazu bewegt, berufstätig zu sein, auch wenn die Kinder noch jünger sind als drei Jahre. Darüber wird in Deutschland intensiv debattiert. Ich weiß, dass Sie anderer Ansicht sind. Wir stellen es uns interessant vor, mit Ihnen beiden über die Kombination von Beruf und Familie und die Risiken der Tagesbetreuung zu sprechen.
Ursula von der Leyen ist eine sympathische, beeindruckende Persönlichkeit - wie Sie. Bevor wir die Ministerin fragen, wüssten wir gern, ob Sie dabei sein wollen. Wir denken an einen Termin in der ersten Jahreshälfte 2009.
Mit freundlichen Grüßen, Uta Rasche
Dear Anna,
Jeg hedder Uta Rasche og er redaktør på Frankfurter Allgemeine Zeitung. For to år siden ledede jeg en podie-samtale med Dem på bogmessen i Frankfurt, husker De det? Nun vil jeg gerne spørge Dem, om De har lyst til at møde den tyske familieminister Ursula von der Leyen (CDU)? Vi vil gerne invitere Dem og familieministeren til en stridssamtale. Fru von der Leyen står for en politik, som vil forcere kvindernes erhvervsaktivitet, også når børnene er under tre år. Det har ført til intensive debatter i Tyskland. Jeg ved, at De har en anden mening. Vi synes, det ville være interessant, at tale med jer to om kombinationen af erhverv og familie og om de negative sider af dagplejeinstitutionerne. Ursula von der Leyen er en sympatisk og imponerende personlighed – ligesom De er. Før vi spørger ministeren, vil vi gerne vide, om De vil deltage. Vi forestiller os en termin i første halvdel af 2009.
Med venlig hilsen, Uta Rasche
Dear Uta, Oh, ich erinnere mich gut an Sie. Der Auftritt damals war prima, ich hatte jedenfalls viel Spaß. Und Sie haben einen fantastischen Job gemacht! Doch es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen.
Ich habe Frau von der Leyen einmal zugehört. Ich fand sie charmant, intelligent und charismatisch. Aber ich möchte nicht mehr über die vorgeschlagenen Themen diskutieren - weder mit ihr noch mit jemand anderem. Mein Herzensanliegen sind die Bedürfnisse kleiner Kinder - nicht die Bedürfnisse von Frauen, Männern oder Betreuungsinstitutionen, die dem Arbeitsmarkt dienen, nicht aber den Kindern. Also sage ich: Nein danke!
Mit den besten Wünschen! Sincerely yours, Anna
Dear Uta,
åh ja, jeg kan godt huske Dem. Min optræden dengang var prima, jeg havde det i hvert fald sjovt. Og De gjorde et fantastisk job! Men nu må jeg desværre skuffe Dem.Jeg har lyttet til Frau von der Leyen engang. Jeg syntes, hun var charmerende, intelligent og karismatisk. Men jeg har ikke mere lyst til at diskutere de foreslåede temaer – hverken med hende eller med nogen anden. Min hjertesag er de små børns behov – ikke kvindernes, mændenes og børneinstitutionernes behov, som dækker arbejdsmarkedets fremme, men ikke børnenes. Derfor siger jeg: nej tak!
Med de bedste ønsker! Kærligst, Anna
Dear Anna, Sie machen mich wirklich traurig! Dann sollten wir das Thema des Gesprächs ändern und die Bedürfnisse kleiner Kinder in den Mittelpunkt stellen. Was würden Sie Frau von der Leyen gern darüber mit auf den Weg geben? Und was würden Sie sie gern fragen?
Ich wäre froh, wenn Sie Ihre Antwort noch einmal überdenken würden.
Ein solches Interview, in dem die neue deutsche Politik, Frauen in den Arbeitsmarkt zu drängen, ohne große Rücksicht auf die Belange der Kinder zu nehmen, Widerspruch bekäme, wäre ein wertvoller Beitrag.
Sincerely yours, Uta
Dear Anna,
Nu gør De mig virkelig ked af det! Men vi kan ændre samtalens emne og stille de små børns behov i centrum. Hvad ville De gerne give Frau von der Leyen med på vejen i den forbindelse? Og hvilke spørgsmål ville De gerne stille hende?
Det ville glæde mig, hvis De ville overveje Deres svar endnu en gang. Et sådant interview, hvor den nye tyske politik, som presser kvinderne ud på arbejdsmarkedet, uden at der bliver taget store hensyn til børnenes interesser, ville møde modstand, ville være et værdifuldt bidrag.
Kærligst, Uta
Dear Uta, ich verstehe Sie, und es tut mir leid, Sie zu enttäuschen.
Die Familienministerin möchte, dass deutsche, intellektuelle, gut ausgebildete Frauen zum wirtschaftlichen Wohlstand und Wachstum des Landes beitragen - und zwar dadurch, dass sie arbeiten, Steuern zahlen UND Kinder gebären. Nicht irgendwelche Kinder, sondern die richtigen Kinder, also "Qualitätskinder" nach Maßstäben der westlichen Zivilisation. (Sonst würden das all diese Einwandererfamilien mit je 100 Kindern tun, nicht wahr?) Das passiert zurzeit in allen Gesellschaften der westlichen Welt. Die Kernaufgabe besteht heute darin, einheimische Frauen dazu zu bewegen, mindestens zwei Kinder zu gebären und zugleich diese Frauen davon fernzuhalten, persönlich für ihre Kinder zu sorgen. Wie in Schweden, wo Frauen darauf reduziert werden, Zuchtsauen zu sein. Die Gesellschaft werde sich dann um die Kinder kümmern, so die Verheißung. Das ist das "schwedische Modell".
Doch dieses "Modell" kollidiert auf herzzerreißende Weise mit den Interessen kleiner Kinder (unter drei Jahren). Ich habe Deutschland bewundert, solange es dort keine staatlichen Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder gab. Frau von der Leyen ändert das nun, und Gott segne sie. Mich kümmert das nicht. Ich habe in meinem Land 40 Jahre lang gekämpft, um Politikern und Sozialarbeitern klarzumachen, dass Kinder nicht in der Weise geändert werden können, wie die Gesellschaft sich ändert. Es war vergeblich. Heute hat jedes einjährige Kind das "Recht", Haus und Herd zu verlassen, um in einer geschlossenen Kollektiveinrichtung den ganzen Tag lang, die ganze Woche lang, beiseitegeschafft zu werden. Meine Kämpfe seit 1977 haben wirklich zu nichts geführt, und ich gebe mich keiner Illusion hin, dass ich Frau von der Leyens (rein ökonomisch motiviertes) Denken in irgendeiner Weise beeinflussen könnte.
Das "schwedische Modell" befindet sich übrigens im Umbau. Die neue Regierung - keinesozialdemokratische mehr - gibt Eltern durch eine gewisse finanzielle Unterstützung nun die Möglichkeit, ihren eigenen Weg der Kinderbetreuung zu wählen. Wir folgen nunmehr dem Finnischen Modell, das Frau von der Leyen genauer studieren sollte. Es ist ein viel besseres Vorbild als Schweden und hat, unter anderem, die besten Schulen in Skandinavien, wenn nicht in Europa.
Ich will also der Familienministerin nichts sagen, und ich will sie auch nichts fragen. Sie wird tun, was Deutschlands Wirtschaft nützt, und genau das ist ihr Job. So ist es eben. Ich bin zu alt, mir vorzustellen, dass ich irgendetwas ändern könnte, das die Lebensbedingungen kleiner Kinder verbessert. Ich möchte meine Zeit nicht mehr verschwenden.
Dear Uta,
Jeg forstår Dem, og jeg er ked af at måtte skuffe Dem.
Familieministeren vil, at tyske, intellektuelle, veluddannede kvinder bidrager til landets økonomiske velstand og vækst – og det skal de gøre, idet de arbejder, betaler skat OG føder børn. Ikke hvilke som helst børn, men de rigtige børn, dvs. ”kvalitetsbørn” efter den vestlige civilisations målestok. (For ellers gør alle indvandrerfamilierne med hver 100 børn det jo for os, ikke sandt?) Og dette sker for øjeblikket i alle samfund i den vestlige verden. Kerneopgaven består i, at motivere landenes egne kvinder til at føde mindst to børn og samtidigt at afholde disse kvinder fra, selv at tage sig af deres børn. Ligesom i Sverige, hvor kvinderne reduceres til at være faresøer. Samfundet skal nok tage sig af børnene, lover man dem. Det er den ”svenske model”.
Men denne ”model” kolliderer på hjerteskærende vis med de små børns (under tre år) interesser. Jeg beundrede Tyskland, dengang der stort set ikke var nogen statslige børneinstitutioner for småbørn. Frau von der Leyen ændrer nu dette, og Gud velsigne hende. Det angår ikke mig. Jeg har kæmpet i hele 40 år i mit eget land, og forsøgt at gøre det klart for politikerne og pædagogerne, at børnene ikke kan ændres i takt med, at samfundet ændres. Det var forgæves. I dag har alle etårige børn ”ret” til at forlade hus og hjem for at tilbringe hele dagen, hele ugen lang, tilsidesat i en lukket kollektiv institution.Mine kampe, som jeg har ført siden 1977, har virkelig ikke ført til noget, og jeg giver mig ikke hen til den illusion, at jeg vil kunne påvirke Frau von der Leyens (rent økonomisk motiverede) tænken på nogen som helst måde. Den ”svenske model” befinder sig i øvrigt i opbrud. Den nye regering – som ikke længere er socialdemokratisk – giver forældrene nu med en vis financiel unterstøttelse mulighed for at vælge deres egen vej, når det drejer sig om børnepasning. Vi følger nu mere og mere den finske model, som Frau von der Leyen skulle se lidt nærmere på. Finland er et meget bedre forbillede end Sverige og har blandt andet de bedste skoler i Skandinavien, måske sågar i Europa.
Der er altså ikke noget, jeg ønsker at sige familieministeren, og jeg har heller ingen spørgsmål til hende. Hun vil gøre det, der støtter Tysklands økonomi, og det er jo også hendes job. Sådan er det nu engang. Jeg er for gammel, og kan ikke mere forestille mig, at jeg vil kunne ændre noget, som ville være med til at forbedre de små børns levevilkår. Jeg vil ikke mere spilde min tid på at forsøge det.
Kærligst, Anna
TYSKA LÄSARE FAZ
Læserbreve
Liebe Frau Rasche,
ich kann die Ablehnung von Frau Wahlgren verstehen, ein Streitgespräch mit Frau von der Leyen zu führen, denn Wirtschaft und Arbeitsmarkt gehen über Leichen, sprich Kinderleichen. Dies ist fast wörtlich zu verstehen, denn in den Kleinsten stirbt, wenn sie sich abgeschoben fühlen, etwas ganz Kostbares, was jeder Mensch zur Bewältigung seines Lebens braucht: Vertrauen, Sicherheit, Zuversicht. Wir quälen unsere Allerkleinsten mit dem Entzug ihrer Mama für viele Stunden die ganze Woche über. Dabei will ich die Mütter gar nicht tadeln, weil ihnen bei der erbärmlichen ökonomischen Ausstattung von Familien durch unseren Staat oft gar nichts anderes übrigbleibt, als mitzuverdienen. Unsere Familienministerin gibt vor, Politik für Familien und Frauen zu machen. Weit gefehlt! Nach Umfragen würden die meisten Frauen die ersten drei Jahre bei ihren Kindern bleiben, wenn nur die Risiken nicht so hoch wären, den Arbeitsplatz zu verlieren, in Altersarmut zu rutschen und den Kindern Bildungschancen zu verwehren. Eine Absicherung für Familien zu schaffen, dies wäre das eigentliche Feld, das eine Familienministerin zu beackern hätte, nicht Kindern ihre Eltern wegzunehmen.
Bärbel Fischer, Leutkirch
Jeg kan godt forstå, at fru Wahlgren afviser at føre en stridssamtale med Frau von der Leyen, for erhvervslivet og arbejdsmarkedet går over lig, så at sige over børnelig. Og det kan forstås næsten bogstaveligt, for når de allermindste bliver skubbet til side, dør der noget i dem, noget meget kostbart, som et hvert menneske har brug for, for at kunne klare sig her i livet: Tilliden, sikkerheden, troen. Vi plager vores allermindste, idet vi skiller dem fra deres mor i mange timer hele ugen lang. Her ønsker jeg ikke at skælde ud på mødrene, fordi de - pga. den usle økonomiske statslige støtte til nutidens familier - ikke har noget andet valg, end at arbejde for at tjene penge, ligesom mændene gør. Vores familieminister påstår, at hun laver politik for familier og for kvinder. Men det passer ikke! Rundspøger har vist, at de fleste kvinder gerne ville blive hjemme hos deres børn i de tre første år, hvis ikke risikoen for at miste jobbet var så høj, og uden job er det meget sandsynligt, at man som gammel må leve som fattig – og man vil heller ikke kunne støtte børnene, medens de er under uddannelse/studerer. At skaffe økonomisk sikkerhed for familierne er det egentlige virkefelt, som en familieminister burde tage fat i, i stedet for at fjerne børnene fra deres forældre.
Liebe Frau Rasche, Frau Wahlgren hat völlig recht. Es lohnt nicht einen Deut, sich mit Frau v.d. Leyen auseinanderzusetzen. Denn diese steht mitnichten im Dienst vonFamilien, oder gar Kindern. Oberste Priorität für v. d. Leyen hat dieDurchsetzung von "Gender Mainstreaming" in Deutschland, was bei uns unterdem positiv klingenden Begriff "Gleichstellungspolitik" firmiert. Nur unterdieser Voraussetzung konnte sie es zur Bundesministerin bringen und selbstgrandios Karriere machen.
Ziel der Gleichstellungspolitik ist es, die vollständige Austauschbarkeitvon Mann durch Frau in allen Lebensbereichen zu erreichen. 50/50-Quote vonbiologisch männlichen und weiblichen Personen in Vollzeit-Erwerbstätigkeitaller Berufsgruppen wie auch bei Haushaltsarbeit, Kinder- oder Altenpflegewird angesteuert, im Zweifel ohne Rücksicht auf Verluste. Gendermainstreaming = Gleichstellen = Gleichmachen. Die Gendertheorie zieltideologisch darauf, das Geschlecht zur völligen Bedeutungslosigkeitherabzuwürdigen.
Am Ende steht die Abschaffung des Geschlechts als Unterscheidungsmerkmal.Daran arbeitet Ursula v. d. Leyen mit enormem Ehrgeiz und Erfolg. Und dazuhat sie geschickt den Schulterschluss mit der Wirtschaft gesucht undgefunden. Ihre siebenfache Mutterschaft dient dabei als perfekte Tarnung.Denn kaum ein Mensch möchte sich vorstellen, dass eine so"kinderfreundliche" Frau elementare Kindesbedürfnisse eiskalt missachtenkönnte. Insbesondere Männer, die sich auf dem Gebiet der Kleinkindpflegenicht so kompetent fühlen, lassen sich von dieser charmanten"Familien"ministerin deshalb gern das Märchen von der "Bildungschance" undsozialen Förderung durch Kinderkrippe auftischen. Herzliche Grüße, ich hoffe, es geht Ihnen gut.
Hedwig v. Beverfoerde
Sehr geehrte Frau Rasche,
Ich bedanke mich ganz herzlich für die Veröffentlichung des E-Briefwechsels zwischen Ihnen und Anna Wahlgren. Sehr offen und ehrlich. Ich möchte ständig "Ja, so ist es!!" rufen, auch wenn Frau Wahlgren am Ende leider resigniert. Trotzdem scheint sie doch etwas bewirkt zu haben. Schweden orientiert sich am finnischen Modell. Wunderbar! Das ist echte Familienfreundlichkeit. Hier in Deutschland vermisse ich sie. Nun freue ich mich über diese klaren Worte in der F.A.S. - Lange Zeit habe ich diese zur aktuellen Familienpolitik vermißt. Folglich habe ich unser F.A.S. - Abo gekündigt.
Auch mir als zwei - und im Frühjahr 09 dreifacher Mutter und angehender LLL-Stillberaterin graut vor einer Krippewelle. So anregend ein guter (!!) Kindergartenplatz für ein vier- bis fünfjähriges Kind ist, so deplaziert sind Kinder zwischen 0 und 3 Jahren in einer institutionalisierten Gruppenfremdbetreuung. Zu den Grundbedürfnissen kleiner Kinder gehört feinfühliges, verlässliches, individuelles Eingehen auf ihre Lebensregungen. Das brauchen sie für ihre gesunde psychoemotionale Entwicklung dringend - im Gegensatz zu Spielkameraden. Deren Wichtigkeit kommt erst später, wenn sich die GRUPPENFÄHIGKEIT eines Kindes entwickelt hat. Bei manchen Kindern mag das im Alter von drei Jahren der Fall sein, bei vielen ist es aber auch erst im Alter von 4 oder 5 soweit, und "Spätentwickler" kommen erst mit 6 oder älter in diese Entwicklungsstufe.
Sicherlich ist Chancengleichheit für benachteiligte Kinder sehr wichtig, aber am Anfang des Lebens bedeutet dies, daß man Eltern ermöglicht, genug Zeit, Kraft (von der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves gibt es dazu ein interessantes Konzept) und Geld für die Begleitung ihrer Kinder zu haben.
In der letzten Zeit wurden in der F.A.S. leider keine aktuellen Forschungsergebnisse berücksichtigt. Stattdessen ließ man ausschließlich InterviewpartnerInnen und JournalistInnen mit eher historischen, alt-feministischen Positionen zu Wort kommen. Es ist richtig, daß auch KrippenbefürworterInnen ein Forum finden. Leider verträgt sich deren Anschauung NICHT mit einer wissenschaftlich-modernen und fachgerechten Einstellung zu Babys und Kleinkindern.
Frau Rasche und Frau Wahlgren, ich bedanke mich bei Ihnen. A
lles Gute für Ihre weitere Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen,
Sandra Westerbarkei
Sehr geehrte Frau Rasche, Ich danke Ihnen, dass Sie bei Anna Wahlgren nachgefasst haben und danke Ihnen noch mehr für den Mut, den eMail-Austausch zu veröffentlichen. Natürlich fände auch ich ein Streitgespräch Wahlgren - von der Leyen hochinteressant. Ich kenne Frau Wahlgren nur von der kurzen Begegnung im Rahmen des vom Familiennetzwerk veranstalteten internationalen Bindungskongresses in Frankfurt (Mai 2006). Ich habe sie sehr vital in Erinnerung und hätte daher eher gedacht, dass sie Ihr Streitgespräch-Angebot wahrnimmt. Es stimmt mich traurig, wie resigniert Frau Wahlgren klingt.
Ist Ihnen aufgefallen, dass Anna Wahlgren im Zusammenhang von schwedischen Frauen von "Zuchtsauen" spricht? Erinnert Sie das nicht auch stark an Bischof Mixas "Gebärmaschinen"? Er meinte damals das Gleiche wie Frau Wahlgren und beide haben recht. Fatalerweise waren es damals speziell die Frauen, die gar nicht verstanden hatten, was Bischof Mixa gemeint hat und die ihn in Grund und Boden gestampft haben.
Ich ahne, dass mir und meinen Kolleginnen von Familiennetzwerk und Familienpartei dereinst dasselbe Resignationsschicksal wie Wahlgren blühen könnte, weil wir (nach mehr als einem Jahr Einsatz) zu wenige geblieben sind - auch, weil uns große Teile der Medien verleumdet und diffamiert haben. Einige von uns sind jetzt schon so frustriert, dass es Mühe macht, sich weiter zu engagieren.
Noch gebe ich nicht auf, und der heutige Artikel ist eine große Ermutigung. Es wird offenbar noch ganz lange dauern wird, bevor die Gesellschaft versteht (weil sie es an den Auswirkungen spürt), dass sie mit der Missachtung der Bindungsbedürfnisse kleiner Kinder und der Ignoranz gegenüber dem Wert der Familienerziehungsarbeit einen fatalen Weg eingeschlagen hat.
Nochmals danke, beste Grüße und alles Gute,
Dorothea Böhm